Ein Stethoskop und Kinderspielzeug liegen in einer Kinderarztpraxis auf einem Tisch. (Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa)

"Es ist eine infektionsartige Erkrankung ohne Infektionserreger"

Interview: Dr. Michael Zemlin, Chefarzt an der Kinderklinik des UKS

Interview: Renate Wanninger   01.04.2021 | 13:00 Uhr

Eine Erkrankung an Covid-19 verläuft bei Kindern in der Regel eher glimpflich. In letzter Zeit wurden aber Fälle bekannt, in denen Kinder schwere Post-Covid-19-Erkrankungen bekommen haben - auch im Saarland. Im Interview erläutert Dr. Michael Zemlin, Chefarzt an der Kinderklinik des UKS in Homburg, was bisher über diese Post-Covid-19-Erkrankungen bei Kindern bekannt ist.

Kinderarzt Zemlin: "Das häufigste ist eine hochfieberhafte Infektion"
Audio [SR 3, Studiogespräch: Renate Waninger/Michael Zemlin , 01.04.2021, Länge: 05:18 Min.]
Kinderarzt Zemlin: "Das häufigste ist eine hochfieberhafte Infektion"
Interview mit Dr. Michael Zemlin, Chefarzt an der Kinderklinik des UKS in Homburg, über die Post-Covid-19-Erkrankungen bei Kindern.

Bisher seien in Deutschland 255 Fälle registriert worden, bei denen es bei Kindern Enzündungssymtome gab, die eindeutig mit Covid-19 zusammen hingen, sagt der Kinderarzt Dr. Michael Zemlin. Etwa die Hälfte der kleinen Patientinnen und Patienten konnte inzwischen symptomfrei entlassen werden, bei sieben Prozent habe es aber auch längerfristige Schädigungen gegeben. Er selbst habe an der Kinderklinik in Homburg vier Kinder behandelt, die alle inzwischen aber wieder nach Hause konnten.

Das Krankheitsbild

Ein gemeinsames Symptom aller erkrankten Kinder sei hohes Fieber, sagt Zemlin. Es sei aber keine Entzündung im Körper zu finden - wie beispielsweise eine Lungenentzündung oder eine Blinddarmentzündung. "Es ist eine infektionsartige Erkrankung ohne aktuelle Infektionserreger im Körper." Und es seien viele Organe betroffen: an erster Stelle der Magen-Darm-Trakt mit Durchfall und Bauchschmerzen, aber auch Lunge, Leber und das Herz.

Ganz charakteristisch sei auch ein Hautausschlag mit Abschuppungen, sagt Zemlin. Zudem seien auch neurologische Symptome beobachtet worden. Er als Kinderarzt hoffe nun, dass es in absehbarer Zeit auch Impfungen für Kinder geben werde.

Ein Thema in der "Region am Mittag" m 01.04.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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