Computerbildschirm mit Hashtag #HASS (Foto: WDR/dpa/Lukas Schulze)

"Hass und Hetze führen häufig zu Gewalt"

Interview: Gerhard Müllenbach, WEISSER RING

Interview: Janek Böffel   22.03.2021 | 18:51 Uhr

Der 22. März ist der Tag der Kriminalitätsopfer. In diesem Jahr liegt der Fokus auf „Hass und Hetze“. "Das Thema treibt uns schon längere Zeit um, weil Hass und Hetze häufig zu Gewalt führen", sagt Gerhard Müllenbach. Der ehemalige saarländische Polizeibeamte ist heute stellvertretender Bundesvorsitzender des WEISSEN RINGS.

WEISSE RING musste weniger Opfer betreuen

2020 gab es insgesamt weniger Straftaten und auch der WEISSE RING musste zumindest im Regionalverband Saarbrücken weniger Opfer von Straftaten betreuen. Insgesamt 95 waren es dort im vergangenen Jahr. Zudem wurde in 111 Fällen finanzielle Hilfe geleistet. Die Finanzhilfen in Höhe von rund 42.000 Euro wurden unter anderem für die Überbrückung von Notlagen nach einem Verbrechen gewährt.

Der WEISSE RING
Bundesweit, Kostenfrei, Anonym
Telefon: 116 006
Erreichbar: täglich 7.00 bis 22.00 Uhr

Dass es im vergangenen Jahr weniger Verbrechensopfer gab, hängt auch mit den Corona-Beschränkungen zusammen. Dadurch, dass deutlich mehr Menschen auch tagsüber zuhause waren, habe es weniger Straftaten rund ums Haus gegeben, sagt Müllenbach. Auf der anderen Seite habe beispielsweise der Betrug im Internet deutlich zugenommen.

"Hass und Hetze" im diesjährigen Mittelpunkt

Gerhard Müllenbach: "Hass und Hetze führen häufig zu Gewalt"
Audio [SR 3, Interview: Janek Böffel, 22.03.2021, Länge: 03:48 Min.]
Gerhard Müllenbach: "Hass und Hetze führen häufig zu Gewalt"

Zum diesjährigen Tag der Kriminalitätsopfer stellt der WEISSE RING das Thema „Hass und Hetze“ in den Mittelpunkt. "Das Thema treibt uns schon längere Zeit um, weil Hass und Hetze häufig zu Gewalt führen", sagt Gerhard Müllenbach. Hass und Hetze im digitalen Raum führe irgendwann zu Hass, Hetze und Gewalt im realen Leben. Es gehe deshalb darum, die Menschen zu sensibilisieren - in und für beide Lebensräume. Nicht zuletzt auch, weil Hass und Hetze unsere Demokratie beschädigten. Sie fügten den Betroffenen nicht nur große Verletzungen zu, sondern führten mintunter auch zu Verhaltensänderungen.

Hass und Hetze gefährdeten somit auch die Meinungsfreiheit, sagt Müllenbach. Aus Angst, selbst Opfer zu werden, würden viele Internetnutzer in Diskussionen inzwischen schweigen statt zu Hass und Hetze Gegenposition zu beziehen. So entstünde eine "Schweigespirale" und die Meinung weniger würde immer präsenter und lauter. "Dadurch entsteht eine verzerrte Realität mit gefühlten Mehrheiten im Netz", sagt Müllenbach.

Das einzige Mittel gegen Hass und Hetze sei: Zivilcourage. Dagegen halten, andere aufforden, ebenfalls Position zu beziehen und Fälle von Hass und Hetze melden.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 22.03.2021 auf SR 3 Saarlandwelle.


22.03.2021 18:51 Uhr:

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version hatten wir berichtet, dass der WEISSE RING insgesamt 95 Opfer von Straftaten im vergangenen Jahr im Saarland betreut habe. Diese Zahl bezieht sich allerdings nur auf den Regionalverband Saarbrücken. Diesen Bezug haben wir entsprechend korrigiert.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja