Eine ältere Frau wird gegen das Coronavirus geimpft. (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Peter Endig)

Brauchen wir bald eine vierte Impfung?

Interview mit der Infektions-Immunologin Prof. Martina Sester

Interview: Simin Sadeghi   13.01.2022 | 12:15 Uhr

Wie gut sind die Älteren im Saarland geschützt, deren Boosterimpfung nun schon drei oder mehr Monate zurückliegt? Und was ist von einer vierten Impfung zu halten, die vereinzelte Ärzte schon ins Spiel bringen? Dazu im Interview: Prof. Martina Sester von der Uniklinik des Saarlandes.

Die Omikronwelle ist auch im Saarland angekommen. Die Coronafallzahlen sind sprunghaft angestiegen. Aktuell liegt die Sieben-Tage-Inzidenz über 400 - Tendenz stark steigend.

Viele fühlen sich durch ihre Booster-Impfung jedoch recht gut geschützt, denn die Impfung soll auch bei Omikron vor einem schweren Krankheitsverlauf schützen.

Aber wie lange schützt die Booster-Impfung? In den Altenheimen liegt die Boosterimpfung oftmals schon einige Monate zurück. Müssen die Menschen dort vielleicht bald schon zum vierten Mal geimpft werden?

Der Ansteckungsschutz geht zurück

Wann braucht es eine vierte Impfung?
Audio [SR 3, Interview: Simin Sadeghi / Prof. Martina Sester, 13.01.2022, Länge: 04:17 Min.]
Wann braucht es eine vierte Impfung?
Im Interview: Prof. Martina Sester von der Uniklinik des Saarlandes.

Noch gebe es hier logischerweise kaum Erkenntnisse über die Langzeiteffekte der Booster-Impfung, sagt Martina Sester. Sie ist Professorin für Infektionsimmunologie an der Uniklinik in Homburg.

Der Schutz vor schwerer Erkrankung bleibt

Es gebe jedoch vielversprechende Daten aus England, wo Omikron ja schon länger verbreitet sei als hier. Diese Daten besagten, dass der Schutz vor einer Infektion nach ca. drei Monaten zwar nur noch bei 30 Prozent liege, der Schutz vor einer schweren Erkrankung, die einen Krankenaufenthalt nötig mache, noch bei etwa 90 Prozent. "Das, was man mit der Impfung erreichen möchte - der Schutz vor schwerer Erkrankung - ist nach wie vor sehr gut gegeben, auch bei Omikron."

Entscheidend: die T-Zellenantwort

Durch die Impfung würden nicht nur die Antikörper aktiviert, sondern auch die T-Zellantwort auf das Virus als Teil der Immunantwort, der besonders vor schweren Verläufen schütze, so Prof. Sester. Die Antikörper würden zwar nicht so gut vor Omikron schützen wie bei den vorherigen Delta-Viren, die T-Zellen seien aber nach wie vor deutlich weniger anfällig für die zahlreichen Mutationen des Virus. Das könnte möglicherweise erklären, dass es trotz der Omikron-Mutationen weniger schwere Krankheitsverläufe gebe, sagt Sester.

Aktuell kein Handlungsbedarf für 4. Impfung

Aktuell sieht sie keine Notwendigkeit für eine weitere Booster-Impfung. Wenn die Abstände zwischen den Impfungen zu kurz seien, sei die Wirkung relativ gering.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 13.01.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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