Spritzen (Foto: SR)

"Die Frage muss sein: Wie bekommen wir die Pandemie am besten in den Griff?

Interview: Peter Springborn, Sozialverband VdK, zur Corona-Impfstrategie

  08.12.2020 | 12:30 Uhr

In Kürze könnte es losgehen mit der Corona-Impfung. Die Ständige Impfkommission schlägt vor, Risikogruppen und medizinisches Personal zuerst zu impfen. Eine ähnliche Empfehlung gibt es auch seitens des RKI. Doch es gibt auch andere Meinungen. Was ist zum Beispiel mit Menschen mit Behinderung? Und wer gehört überhaupt zur Risikogruppe? Dazu im SR-Interview: Peter Springborn vom Sozialverband VdK.

Audio

VdK: "Die Frage muss sein: Wie bekommen wir die Pandemie am besten in den Griff?"
Audio [SR 3, Interview: Renate Wanninger, 08.12.2020, Länge: 05:22 Min.]
VdK: "Die Frage muss sein: Wie bekommen wir die Pandemie am besten in den Griff?"

"Wie bekommen wir die Pandemie am besten in den Griff?" - diese Frage müsse im Mittelpunkt stehen bei der Strategie für die Massenimpfung, sagt Peter Springbron. Es gehe ja darum, die Pandemie so schnell wie möglich zu besiegen, denn das sei am Ende entscheidend, dass wir die Krise auch sozialverträglich und wirtschaftlich meistern.

Dabei sei völlig klar, dass diejenigen, die besonders gefährdet seien, an einem schweren Verlauf zu erkranken, "am Anfang der Impfkette stehen müssen." Dem entsprächen ja auch die aktuellen Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) und des Robert-Koch-Instituts (RKI).

Schutz für sich selbst und für andere?

Ein Problem sei jedoch, dass aktuell noch gar nicht klar sei, ob man als geimpfte Person andere wirklich nicht mehr anstecken könne. "Die Impfung schützt gegen einen schweren Verlauf, sie schützt wahrscheinlich auch davor, die Krankheit zu bekommen, ob sie aber dagegen schützt, dass man die Krankheit weitergibt, wissen wir nicht", sagt Springborn. Deshalb müsse bei neuen Erkenntnissen ggf. die Strategie auch nochmal geändert werden.

Wer gehört zu einer Risikogruppe??

Ein weiteres Problem sieht er bei der Zuordnung von Patienten zu der Kategorie Risikogruppe. Es gebe inzwischen zwar recht gute Erkenntnisse, wer besonders gefährdet ist, an einem schweren Covid-19-Verlauf zu erkranken, aber für eine genaue Einschätzung brauche es zu jedem Fall im Grunde ein ausführliches medizinisches Dossier. Die Ärzte dürften kaum in der Lage sein, für alle ein solches Dossier zu erstellen um daraus eine Rangfolge für die Impfung abzuleiten. "Ich glaube, das ist auch der Grund dafür, dass man im Moment versucht, relativ holzschnittartig vorzugehen."


Mehr zum Thema


tagesschau.de
Die Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Corona-Impfungen
Minister Spahn erwartet noch in diesem Jahr Corona-Impfungen. Die Länder bereiten bereits Impfzentren vor. Wie werden die Impfungen ablaufen? Was ist mit Nebenwirkungen? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Umgang mit Corona-Pandemie
Wie sieht es mit der Impfbereitschaft im Saarland aus?
Laut Weltgesundheitsorganisation muss die Impfquote etwa bei 70 Prozent liegen, um die sogenannte Herdenimmunität gegen das Coronavirus zu erreichen. Aktuelle Umfragen zeigen, dass die Bereitschaft etwas niedriger liegt. Vor allem die neuartige Methode sorgt für Skepsis - doch nicht impfen ist noch gefährlicher, meinen Experten.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 08.12.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja