Menschen in einem Flüchtlingslager in Kamerun 2015 (Foto: dpa)

"Der explosive Anstieg der Weltbevölkerung ist das zentrale Problem"

Michael Friemel im Gespräch mit Dirk Rossmann / Onlinefassung: Raphael Klein   06.01.2019 | 07:45 Uhr

Am 6. Januar stand mit dem Afrika-Tag ein krisen- und sorgengeschüttelter Kontinent im Fokus der Weltöffentlichkeit. Unter anderem sammeln Kirchen Gelder für Entwicklungsprojekte. Der Drogerie-Unternehmer Dirk Roßmann engagiert sich seit vielen Jahren auf dem Kontinent. Im SR 3-Interview sprach er über den Anstieg der Weltbevölkerung als typisch afrikanisches Problem und über Ursachen für uneffektive Entwicklungshilfe.

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Interview: "Der explosive Anstieg der Weltbevölkerung ist das zentrale Problem"
Audio [SR 3, Interview: Michael Friemel, 04.01.2019, Länge: 06:18 Min.]
Interview: "Der explosive Anstieg der Weltbevölkerung ist das zentrale Problem"
Der Drogerie-Unternehmer Dirk Roßmann im SR 3-Interview.

Dirk Roßmann hat vor 26 Jahren die "Deutsche Stiftung Weltbevölkerung" gegründet und unterstützt seitdem unter anderem Projekte in Afrika. Zwar habe sich die Weltbevölkerung weltweit stabilisiert, sagt Roßmann im Gespräch mit dem SR, das gelte aber nicht für Afrika. Nach Einschätzungen von Wissenschaftlern, so Roßmann, könne sich die Bevölkerung um rund eine Millarde Menschen erhöhen. Dieses Problem sei zwar ein afrikanisches Problem, aufgrund der Migration allerdings auch ein europäisches.

"Es müssen die Regierungen dieser Länder mitmachen"

Um den hohen Bevölkerungsanstieg zu bremsen, brauche es mehr Aufklärung, Problembewusstsein, bessere medizinische Versorgung, bessere Bildung, Unterstützung der Frauen und vor allem die Mitarbeit der Regierungen vor Ort. Doch gerade bei den afrikanischen Regierungen liege oft das Problem, so Roßmann: Oft hätten sie weniger das Wohl der Bevölkerung im Blick als vielmehr den eigenem Machterhalt.

Daher dürfe man Entwicklungshilfe nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilen, sondern müsse sich fragen, ob die Gelder überhaupt dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Es brauche grundsätzlich schon mehr Entwicklungshilfe, diese sollte aber nur an seriöse Staaten ausgezahlt werden, fordert Roßmann.

"Es gibt heute positive Ansätze"

Grundsätzlich hätten die Menschen in Afrika mit ihrem Rohstoffreichtum und ihrer optimistischen Mentalität das Potenzial, ihre Probleme zu lösen, sagt Dirk Roßmann. Und nicht in allen Staaten werde mit Entwicklungshilfe unseriös umgegangen. Es gebe auch positive Beispiele, die man durchaus gut unterstützen könne - wie Äthopien, Marokko, Tunesien, Malawi oder auch Elfenbeinküste.

Ein Thema in der Sendung "Guten Morgen" vom 05.01.2019 auf SR 3 Saarlandwelle.

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