Fußgängerzone mit Menschen und einem verlorenen Mund-Nasen-Schutz im Vordergrund. (Foto: picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst)

"Wir müssen uns loslösen von diesen Zahlen"

Virologin Prof. Gärtner zur Aufhebung der Coronabeschränkungen

Interview: Nadine Thielen   11.03.2022 | 12:15 Uhr

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist nach wie vor auf hohem Niveau. "Entscheidend ist nicht die Zahl der Infektionen, sondern die Zahl der schweren Erkrankungen", sagt die Virologin Prof. Barbara Gärtner. Sie hält die Aufhebung der Coronabeschränkungen deshalb für durchaus machbar.

Am 9. März hat die Bundesregierung ihren Entwurf für das neue Infektionsschutzgesetz vorgestellt: Eine Maskenpflicht soll es dann nur noch im öffentlichen Nah- und Fernverkehr, in Pflegeheimen und Krankenhäusern geben, Tests nur noch in der Schule.

Gleichzeitig steigen seit Tagen die Inzidenzen auf immer neue Rekordwerte - im Saarland wie bundesweit.

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Virologin Prof. Gärtner zur Aufhebung der Coronabeschränkungen
Audio [SR 3, Interview: Nadine Thielen, 11.03.2022, Länge: 03:37 Min.]
Virologin Prof. Gärtner zur Aufhebung der Coronabeschränkungen

Entscheidend ist die Zahl der schweren Erkrankungen

"Entscheidend ist nicht die Inzidenz, sondern: Wie viele Menschen erkranken schwer, müssen ins Krankenhaus, kommen auf die Intensivstation? Und diese Zahlen halten sich im Moment deutlich in Grenzen", sagt Prof. Barbara Gärtner, Virologin am Uniklinikum in Homburg.

Die aktuellen Coronazahlen seien zwar hoch, aber die Menschen würden bei der aktuellen Omikron-Variante nicht schwer erkranken. Die anstehende Aufhebung der Coronabeschränkungen hält Gärtner deshalb für durchaus machbar. "Ich denke, dass man es aktuell riskieren kann."

"Früher oder später wird sowieso jeder Corona bekommen"

Nichtsdestotrotz gibt es gleichzeitig Corona-Tote zu beklagen. Die meisten würden aber nicht an, sondern mit Corona sterben, sagt Gärtner. Es seien Patienten mit Vorerkrankungen, bei denen die zusätzliche Infektion durch Corona dann den Ausschlag geben könne. "Das ist aber ein Zustand, den wir mit unseren Maßnahmen wahrscheinlich nicht unter Kontrolle bekommen, da früher oder später sowieso jeder Corona bekommen wird", so die Virologin.

"Wir müssen uns loslösen von diesen Zahlen"

Dass zurzeit die Zahl der Infektionen deutlich in die Höhe geht, sieht Gärtner in der neuen, noch ansteckenderen Omikron-Virusvariante BA.2. begründet. Aber sie sei nichts, wovor man wirklich Angst haben müsse, solange die Menschen nicht schwer erkrankten. "Wir müssen uns loslösen von diesen Zahlen, von diesen Sieben-Tage-Inzidenzen", sagt sie. Die Zahlen würden ein falsches Bild liefern, da sie keine Aussage über die Schwere der Erkrankung vermittelten.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 11.03.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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