Eine Außenansicht zeigt am frühen Morgen eines der Gebäude des Fleischwerks Tönnies (Foto: picture alliance/David Inderlied/dpa)

"Es herrscht große Ratlosigkeit wegen Tönnies"

Interview: Nadine Thielen / Piotr Mazurek vom DGB   24.06.2020 | 07:00 Uhr

Aus den Vorfällen im Fleischwerk Tönnies kann man zwei Schlüsse ziehen: Zum einen ist Corona ist noch nicht überstanden. Die Region im Umkreis musste zurück in den Lockdown. Noch beunruhigender aber sind die Verhältnisse, in denen die Beschäftigten bei Tönnies zu arbeiten und leben haben. SR-Moderatorin Nadine Thielen hat darüber mit Piotr Mazurek vom DGB gesprochen.

Piotr Mazurek: "Unwürdige Bedingungen bei Tönnies"
[SR 3, Nadine Thielen, 24.06.2020, Länge: 04:50 Min.]
Piotr Mazurek: "Unwürdige Bedingungen bei Tönnies"

Im Fleischwerk "Tönnies" bei Gütersloh sind mehr 1500 Beschäftigte, größtenteils osteuropäische Wanderarbeiter, mit Corona infiziert. Da stellt sich die Frage, warum das ausgerechnet in einem Fleischwerk passiert, in dem ohnehin erhöhte Hygiene-Standards vorherrschen sollten.

Piotr Mazurek ist Berater beim Deutschen Gewerkschaftsbund und zuständig für die Abteilung "Faire Mobilität". Er hat mit mehreren Arbeitern gesprochen. Diese waren allerdings nicht infiziert. Die Stimmung sei sehr schlecht. Man wisse nicht Bescheid, wie es mit der jeweiligen beruflichen Zukunft weitergehe. "Es herrscht große Ratlosigkeit", so Mazurek. Hinzu komme eine Welle der Empörung, dass nun versucht werde, die Arbeiter selbst für den großen Ausbruch verantwortlich zu machen.

Prekäre Beschäftigung

Wenn man dem Corona-Ausbruch doch noch etwas Positives abgewinnen möchte, dann, dass die Öffentlichkeit von den unwürdigen Bedingungen bei Tönnies und deren Subunternehmen erfähre. "Die fristlose Kündigung ist da praktisch der Standard", erzählt Mazurek. Die meisten Anfragen beim DGB beträfen zudem ausbleibende Lohnzahlen, unbezahlte Überstunden und zu wenig oder kein Urlaubsentgeld. In den Unterkünften, die vom Arbeitgeber angeboten werden, sehe es aufgrund von Überbelegung "ziemlich schlimm" aus, so Mazurek weiter. Privatsphäre gebe es da praktisch keine.

Was der Deutsche Gewerkschaftsbund jetzt dagegen tun will, erfahren Sie im Audio.

Ein Thema in "Guten Morgen" am 24.06.2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja