Gesundheitsamt  (Foto: picture alliance/dpa | Marijan Murat)

"Wir können in weiten Bereichen nur noch erfassen."

Patrik Lauer, Vorsitzender des Landkreistages und Landrat des Kreises Saarlouis

Interview: Gerd Heger   15.03.2022 | 12:40 Uhr

Die Omikronwelle sorgt für viele Corona-Fälle und damit auch für viel Arbeit bei den Gesundheitsämtern. Viele Briefe zu Quarantäneanordnungen gehen erst spät bei den Betroffenen ein. Sind die Gesundheitsämter überlastet? Dazu im Interview: Patrik Lauer, Vorsitzender des Landkreistages und Landrat des Kreises Saarlouis.

Wer sich mit dem Corona-Virus infiziert hat, muss in Quarantäne. Soweit, so klar. Doch so mancher hat die Erfahrung gemacht, dass die Quarantäneanordnung erst kommt, wenn man fast schon wieder genesen ist.

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"Sind extrem stark belastet"
Audio [SR 3, Interview: Gerd Heger / Patrik Lauer, 15.03.2022, Länge: 04:00 Min.]
"Sind extrem stark belastet"
Im Interview: Patrik Lauer, Vorsitzender des Landkreistages und Landrat des Kreises Saarlouis.

Die Gesundheitsämter seien bei den derzeitig hohen Inzidenzen sehr stark belastet und im Grunde an der Machbarkeitsgrenze angelangt, auch weil inzwischen die Unterstützung durch die Bundeswehr wegfalle sagt Patrik Lauer, Vorsitzender des saarländischen Landkreistages und Landrat des Landkreises Saarlouis. "Wir können in weiten Bereichen nur noch erfassen."

Was zurzeit noch geleistet werden könne sei die Beratung der vulnerablen Gruppen und der schnelle Eingriff in vulernablen Bereichen, wenn es dort zu Infektionen kommen sollte, so Lauer. Denn auch die Omikron-Variante führe zu Todesfällen, die es zu verhindern gelte.

Mehr Eigenverantwortung

Dass inzwischen die Bürgerinnen und Bürgern mehr Eigenverantwortung übernehmen müssen, hält Lauer für "richtig und zumutbar." Die Menschen hätten nun zwei Jahre Erfahrung mit Corona. Jetzt liege es auch ihnen, die eingeübten Regeln anzuwenden. Das gelte auch mit Blick auf die anstehenden Lockerungen. Er plädiert zudem eindringlich dafür, weiterhin Masken zu tragen. "Das ist der beste und effizienteste Schutz, den man sich im Moment vorstellen kann."

Auch die Schulen müssen inzwischen ihre Coronainfektionen selbst managen. "Ich glaube schon, dass das klappen kann", sagt Lauer. Dass sich die Gesundheitsämter hier aus der Verantwortung ziehen, sehe er nicht so. Die Gesundheitsämter könnten bei den hohen Inzidenzen nicht mehr leisten, als sie zurzeit tun.

Was tun im Fall der Fälle

Zu Fragen rund um Corona
www.saarland.de

Welche Regeln gelten, kann man auf den entsprechenden Internetseiten nachlesen. Zudem seien Bürgertelefone eingerichtet worden, die auch rege genutzt würden, sagt Lauer.

Für die neu im Saarland ankommenden Flüchtlinge aus der Ukraine habe man bereits Infoblätter zum Thema Corona entworfen, die den Gemeinden zur Verfügung gestellt werden.


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Ein Thema in der "Region am Mittag" am 15.03.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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