Ein Mädchen schaut aus dem Fenster. (Foto: dpa)

"Sie dürfen nicht noch einmal von der Teilhabe ausgeschlossen werden"

Interview: Dorothee Scharner   03.08.2021 | 16:20 Uhr

Obwohl noch keine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission vorliegt, haben die Gesundheitsminister der Länder beschlossen, dass sich alle Kinder und Jugendlichen ab zwölf Jahren bald impfen lassen können. Doch welche Bedeutung hat eine Impfung für Kinder und Jugendlichen? Es sei wichtig, dass die Kinder nicht wieder von der Teilhabe am sozialen Leben ausgeschlossen werden. Wenn das durch eine Impfung möglich sei, dann sei sie das wert, sagt die Kinder- und Jugendpsychiaterin Eva Möhler.

Der saarländische Landesschülersprecher Lennart-Elias Seimetz glaubt, dass die Schülerinnen und Schüler kein Problem mit einer Coronaimpfung haben - und Prof. Eva Möhler, die Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Homburger Uniklinik, sieht das ähnlich.

"Ich vermute, dass sich viele gerne impfen lassen würden"

Kinder und Jugendlichen hätten eher Angst, dass sie anderen etwas Schlimmes zufügen könnten - und die Übertragung von Corona könnte tatsächlich so etwas sein. "Ich glaube, das macht ihnen große Sorgen." Sie vermutet, dass sich viele gerne impfen lassen würden - zum einen, um Familienangehörige zu schützen, aber auch, um wieder ihre Freiheiten zu erlangen, Freunde zu treffen, Fußball zu spielen... Das seien "ganz wichtige Basisbedürfnisse", so Möhler.

"Was die Kinder wirklich bewegt ist die Einschränkung der Freiheiten"
Audio [SR 3, Interview: Dorothee Scharner, 03.08.2021, Länge: 03:04 Min.]
"Was die Kinder wirklich bewegt ist die Einschränkung der Freiheiten"
Intervie mit der Kinder- und Jugendpsychiaterin Prof. Eva Möhler.

Viele Kinder und Jugendliche hätten die Einschränkungen während des Lockdowns als "sehr dramatisch erlebt." Das zeige sich auch an einer Zunahme bei Essstörungen, Suchterkrankungen, Ängsten bis hin zu Suizidversuchen. Die Impfung selbst sei ihrer Meinung nach für sie weniger ein Thema als die Frage: "Darf ich mein Leben wieder so leben, wie ich es brauche?"

Dass es unter den Kindern und Jugendlichen nun Druck geben könnte, sich impfen zu lassen, das glaubt Möhler nicht. Die Polarisierung in der Impffrage sei eher ein Thema der Erwachsenen.

Kinder und Jugendliche brauchen ihr Leben zurück

Ihr Fazit lautet: Es sein wichtig, dass die Kinder nicht wieder von der Teilhabe am sozialen Leben ausgeschlossen werden. "Dass darf nicht ein weiteres Mal passieren. Und wenn das mit einer Impfung sichergestellt werden kann, dann ist sie das wert."


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Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 03.08.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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