Allein, ohne Freunde (Foto: dpa)

Kinder und Jugendliche in der Corona-Krise

Interview: Eva Möhler, Kinder- und Jugendpsychiatrie Uniklinik in Homburg

Interview: Renate Wanninger   12.01.2021 | 16:40 Uhr

Abstand halten und Kontakte meiden - das ist schon für Erwachsene schwer. Wieviel schwerer muss es da für Kinder und Jugendliche sein, die auf ihre Freunde und Freundinnen verzichten müssen. Eva Möhler ist Leiterin der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uniklinik in Homburg. Sie sagt: "Die Kinder und Jugendlichen geben sich wirklich Mühe." Doch an der Uniklinik könne man auch beobachten, dass es eine Zunahme von Depressionen, Angst- und Essstörungen gebe.

Eva Möhler: "Die Kinder und Jugendlichen geben sich wirklich Mühe"
Audio [SR 3, Interview: Renate Wanninger, 12.01.2021, Länge: 03:51 Min.]
Eva Möhler: "Die Kinder und Jugendlichen geben sich wirklich Mühe"
Interview mit Eva Möhler, Leiterin Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uniklinik in Homburg.

Für Kinder und Jugendliche ist der Kontakt zu ihren Freunden sehr wichtig. Die Identität, besonders in der Pubertät, werde ganz stark durch den Kontakt zu Gleichaltrigen definiert, sagt Eva Möhler. Diese Kontakte seien wie Spiegel für sie.

Die klinische COPSY-Studie habe nun auch gezeigt, "dass die jungen Menschen in der Pandemie erheblich leiden und ihre Lebensqualität als deutlich negativer als vor der Pandemie wahrnehmen", sagt Möhler. Vor der Pandemie hätten nur fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen eine negative Lebensqualität angegeben, jetzt seien es 40 Prozent der Elf- bis Fünfzehnjährigen. Und je länger die Pandemie mit ihren Beschränkungen dauere, um so größer sei auch das Misshandlungsrisiko für die Kinder. Der Anstieg sei exponentiell, sagt Möhler.

Der Stress betrifft alle

Doch nicht nur die jungen Menschen seien betroffen. Auch für die Eltern habe sich durch die Pandemie der Stresspegel deutlich erhöht. Es fehlten ihnen einfach die Auszeiten, die sie durch Schule und Freizeitaktivitäten ihrer Kinder normalerweise hätten.

Wichtig für alle Beteiligten sei, dass sie für sich Wege finden, wie sie besser mit dem Stress durch die Corona-Auflagen zurechtkommen. Dazu gehöre Sport genau so wie Rückzugsmöglichkeiten und definierte Auszeiten. Tipps dazu gibt es unter anderem auf der Internetseite www.startyourway.de unter "Downloads aktuell".

Langzeitfolgen durch die Kontaktbeschränkungen?

Inwieweit die Pandemiebeschränkungen sich auch langfristig auf die Entwicklung der Kinder auswirke, könne man derzeit noch nicht sagen, so Möhler. Aber natürlich sei besonders für junge Menschen, die in der Pubertät essenzielle Ablösung von den Eltern durch die fehlenden Kontakte mit den Freunden deutlich erschwert. Im Grunde würden aber viele dies zurzeit sogar zurückstellen - aus Rücksicht vor den Älteren.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 12.01.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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