Marlies Krämer (Foto: SR)

"Dann bleibt uns nur der Weg zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte"

Nadine Thielen im Gespräch mit Marlies Krämer

Onlinefassung: Raphael Klein   01.07.2020 | 12:50 Uhr

Sie ist kein Kunde, sondern eine Kundin und will deshalb auch so genannt werden - auch in Formularen: Dieser Rechtsstreit der Sulzbacherin Marlies Krämer gegen die Sparkasse Saarbrücken läuft seit Jahren und hat es sogar bis vor das Bundesverfassungsgericht geschafft. Doch die Verfassungsbeschwerde scheiterte nun - vorerst.

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"Wir werden mit dem generischen Maskulinum totgeschwiegen"
Audio [SR 3, Interview: Nadine Thielen / Marlies Krämer, 01.07.2020, Länge: 03:40 Min.]
"Wir werden mit dem generischen Maskulinum totgeschwiegen"

Bereits im Jahr 2018 hatte der BGH entschieden, dass Frauen kein Recht auf eine weibliche Ansprache in Formularen haben. Das ließ sich Marlies Krämer, die zum Beispiel dafür gesorgt hat, dass in unseren Reisepässen mittlerweile "Inhaber und Inhaberin" steht, nicht gefallen. Sie legte beim Bundesverfassungsgericht Beschwerde ein. Die wurde nun nicht zugelassen - aus formellen Gründen. Ein weiterer Dämpfer für Marlies Krämer? Oder ist es für sie umso mehr eine Motivation, weiterzumachen?

"Wir werden mit dem generischen Maskulinum totgeschwiegen"

Eine inhaltliche Entscheidung hatte das Bundesverfassungsgericht in seinem Beschluss explizit nicht ausgeschlossen. Die Verfassungsbeschwerde sei lediglich unzureichend begründet worden, heißt es. Im SR-Interview zeigte sich Marlies Krämer darüber enttäuscht und zugleich kämpferisch.

Die Verfassungsbeschwerde sei sehr wohl ausreichend begründet gewesen. Notfalls müsse man die Gründe nochmals dem Gericht darlegen. Auch den Gang vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte schloss Krämer nicht aus. Denn durch die sprachliche Ausgrenzung würden Frauen nicht nur eine Diskriminierung erleiden, sondern eine gesellschaftliche Abwertung gegenüber Männern. Durch das generische Maskulinum würden Frauen totgeschwiegen, so die Kritik von Marlies Krämer.

"Bis das Ziel erreicht ist."

Krämer wolle jedenfalls solange weiterkämpfen, bis ihr Ziel erreicht sei. Dabei erfahre sie auch breiten Zuspruch aus der Bevölkerung - zum Beispiel über zahlreiche Dankesschreiben und auch Ermutigungen, nicht aufzugeben.

Ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" vom 01.07.2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

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