Professor Thorsten Lehr (Foto: picture alliance/dpa | Iris Maria Maurer)

"Die Inzidenzen bleiben ein wichtiges Instrument"

Interview: Prof. Thorsten Lehr

Interview: Dorothee Scharner   21.04.2022 | 12:45 Uhr

Es wird immer weniger getestet und es gibt Ungenauigkeiten während der Feiertage. Die Frage ist also: Welche Bedeutung haben die Corona-Zahlen derzeit überhaupt noch? Sie seien auch weiterhin ein wichtiges Instrument für die Einordnung des Infektionsgeschehens, sagt Prof. Thorsten Lehr.

Thorsten Lehr, Professor für klinische Pharmazie an der Universität des Saarlandes, erstellt Modellrechnungen zum Corona-Infektionsgeschehen.

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"Die Inzidenzen bleiben ein wichtiges Instrument"
Audio [SR 3, Interview: Dorothee Scharner, 21.04.2022, Länge: 04:09 Min.]
"Die Inzidenzen bleiben ein wichtiges Instrument"
Im SR-Interview: Thorsten Lehr, Professor für klinische Pharmazie an der Universität des Saarlandes.

Auch wenn es immer mal wieder Ungenauigkeiten wie beispielsweise an Feiertagen gebe, "die Inzidenzen sind und bleiben ein ganz wichtiges Instrument, um zu schauen, wie sich das Infektionsgeschehen verhält", sagt Lehr.

Krankenstand deutlich über normal

Hinzu komme natürlich die Krankenhausbelegung. Sie sei ein wichtiger Indikator für die Belastung des Gesundheitssystems. Dass zurzeit viele Operationen verlegt werden müssten, sei zwar nicht durch Corona verursacht, dafür aber durch einen hohen Krankenstand beim Personal. "Wir haben zurzeit einen Krankenstand der deutlich über dem liegt, was wir normalerweise zu dieser Jahreszeit haben", so Lehr.

Inzidenzzahlen - Indikator für Trendwenden

Anhand der Inzidenzzahlen könne man zum einen erkennen, ob neue Varianten auf dem Vormarsch seien. Zum anderen ließen sich auf dieser Grundlage, vor allem der altersspezifischen Zahlen, Trendwenden erkennen. "Wenn beispielsweise in bestimmten Altersgruppen die Inzidenzen wieder ansteigen, sollte das für uns ein Warnsignal sein, dass wir wieder intervenieren müssen und mehr Schutzmaßnahmen erfolgen müssen", sagt Lehr.

Neue Welle im Herbst

Nach wie vor werde deshalb das Berechnungsmodell wöchentlich aktualisiert. Die Zahlen seien inzwischen zwar etwas heterogener, aber mit solchen Unsicherheiten habe man im Grunde schon die ganze Zeit arbeiten müssen. Aktuell sehe die Lage ganz gut aus. Hier spiele auch das Wetter eine wichtige Rolle, so Lehr. Nichts desto trotz müsse man sich darauf einstellen, "dass im Herbst eine neue Welle kommen wird." Deshalb lautet sein Appell: Impfen.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 21.04.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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