Symbolbild: Illustration von Corona-Viren auf einer Saarlandkarte, Hintergrund: Laborsituation (Foto: Sebastian Knöbber/SR)

"Was im Herbst passiert, hängt sehr stark von uns selbst ab"

Interview: Dorothee Scharner   06.08.2021 | 16:15 Uhr

Zurzeit gibt es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts einen schnelleren Anstieg der Corona-Inzidenzen als im Sommer 2020 - und das trotz steigender Impfquote. Was ist der Unterschied zum letzten Sommer und wie ist die Prognose für den Herbst?

Aktuell ist rund die Hälfte der Menschen vollständig gegen Corona geimpft. Das heißt im Umkehrschluss: Die Hälfte ist noch nicht geimpft.

Die aktuelle Delta-Variante des Coronavirus sei aber doppelt so ansteckend wie die Virusvariante, die im letzten Sommer grassierte, sagt Dr. Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie an der Universität des Saarlandes. Rein rechnerisch bedeute das: doppelt so viele Infektionen durch einen Infizierten.

Delta-Variante kann auch Geimpfte infizieren

Hinzu komme, dass die Delta-Variante in der Lage sei, auch Geimpfte zu infizieren, auch wenn es nicht zu einem schweren Krankheitsverlauf komme. Diese Zahl der Durchbrüche tauche dann natürlich auch in der Statistik auf.

Noch ist es ruhig auf den Intensivstationen

Prof. Thorsten Lehr: "Was im Herbst passiert, hängt sehr stark von uns selbst ab"
Audio [SR 3, Interview: Dorothee Scharner, 06.08.2021, Länge: 03:36 Min.]
Prof. Thorsten Lehr: "Was im Herbst passiert, hängt sehr stark von uns selbst ab"

Auf den Intensivstationen sei die Zahl der Fälle zurzeit auf einem gleichbleibenden niedrigen Niveau, aber er gehe aber davon aus, "dass auch hier die Zahlen in den Krankenhäusern wieder ansteigen werden - möglicherweise ein bisschen langsamer, als wir das im letzten Sommer erlebt haben." Mit ein Hauptgrund: Die vulnerablen Personen, also vor allem die Älteren, seien geimpft. Es sei aber auch zu beobachten, dass mit der Delta-Variante Infizierte häufiger ins Krankenhaus müssten. Das heißt: "Sie ist nicht nur ansteckender, sondern hat auch schwerere Verläufe."

Blick auf den Herbst

"Was im Herbst passiert, das hängt natürlich sehr stark von uns selbst ab", sagt Lehr. Das wichtigstes Instrument gegen erneute Einschränkungen und vielleicht einem weiteren Lockdown sei das Impfen. Zurzeit sei die Impfbereitschaft aber rapide am sinken. Nur 20 Prozent der derzeitigen Impfungen seien Erstimpfungen.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 06.08.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja