Ein Verkehrszeichen "Fussgängerübergang" ragt auf einer überschwemmten Strasse aus den Fluten hervor. (Foto: picture-alliance / Romain Fellens | Romain Fellens)

Pegelstand zum Hochwasserschutz im Saarland

Interview: Umweltminister Reinhold Jost

Interview: Simin Sadeghi   11.01.2022 | 12:15 Uhr

Wie schnell es gehen kann, dass kleine Bäche über die Ufer treten und die ganze Umgebung überschwemmen, das konnte man in der ersten Januarwoche am Oberlauf von Nahe, Prims und Blies erleben. Umso wichtiger ist es, einen guten Hochwasserschutz zu haben. Doch wie sieht es damit inzwischen im Saarland aus?

Seit dem starken Hochwasser im Saarland vor knapp vier Jahren sollte viel passieren in Sachen Hochwasserschutz. Einiges ist seitdem auch tatsächlich geschehen.

Jost: Noch nicht am Ziel, aber auf dem Weg
Audio [SR 3, Interview: Simin Sadeghi, 11.01.2022, Länge: 05:04 Min.]
Jost: Noch nicht am Ziel, aber auf dem Weg

Die Gefahrenkarten

So hat das Umweltministerium beispielsweise Mittel für die Erstellung von Hochwasser- und Starkregengefahrenkarten bereitgestellt. 35 der 52 saarländischen Städte und Gemeinden hätten ihr Interesse bekundet, mit solchen Karten zu arbeiten, sagt der saarländische Umweltminister Reinhold Jost. 20 hätten bereits Anträge gestellt und die seien auch schon beschieden worden.

Karten helfen bei der Vorsorge

Die Qualität der Karten liege darin, dass sie sehr exakt anzeigten, wo das Wasser sich im Fall des Falles ausbreiten und welche kritische Infrastruktur dann auch betroffen sein könnte, so Jost. Es wäre nämlich fatal, wenn nach einem Starkregenereignis beispielsweise die Feuerwehrfahrzeuge nicht mehr ausrücken könnten, weil das Gerätehaus überflutet sei. Mit Hilfe der Karten könne man präventiv Maßnahmen ergreifen.

Ebenfalls hilfreich seien die Karten bei der Ausweisung von Baugebieten.

Auch Privatpersonen profitieren

Die Karten kämen aber nicht nur den öffentlichen Einrichtungen zugute, sagt Jost. Sie seien für die Eigenvorsorge der Privatbesitzer eine wichtige Entscheidungshilfe. Das reiche von der Elementarschadenversicherung über den Hochwasserpass, der vom Land finanziell mit begleitet werde, bis hin zu baulichen Maßnahmen, um das Eigentum bei Starkregenereignissen zu schützen.

Fördergelder von über neun Millionen Euro

Insgesamt seien im Saarland in den vergangenen zehn Jahren über neun Millionen Euro in den Starkregen- und Hochwasserschutz geflossen, sagt Jost. Neben Studien habe es vor allem eine Reihe von baulichen Maßnahmen gegeben.

Mehr als 6,5 Millionen Euro seien darin investiert worden. Das Land fördere in diesem Bereich 90 Prozent der Konzepte und Studien und mit 70 Prozent auch die baulichen Maßnahmen. Die Zuschussquoten könnten sich eventuell auch noch erhöhen, so der Umweltminister.

Aktion Wasserzeichen

Seit einem Jahr gibt es im Saarland zudem das Projekt "Aktion Wasserzeichen". Mit insgesamt neun Millionen Euro, verteilt auf drei Jahre, soll damit die Entsiegelung von Flächen vorangetrieben werden, damit bei Starkregenereignissen das Wasser mehr Möglichkeit hat, im Boden zu versickern. Dadurch werde die Kanalisation entlastet und die Hochwassergefahr reduziert, so der Umweltminister.

Grundsätzlich gelte beim Hochwasserschutz, dass gemeindeübergreifend zusammengarbeitet werden müsse, so Jost. Man sei noch lange nicht am Ziel, aber man sei auf dem Weg.


Mehr zum Thema


Dauerregen im Saarland
Mehr als 70 Einsätze wegen Überflutung
Starker Regen hat die Pegel der - vor allem kleineren - Bäche und Flüsse im Saarland am Dienstag steigen lassen. Schwerpunkte waren bis zum Abend die Mitte und der Norden des Landes. Insgesamt gab es im Laufe des Tages über 70 Feuerwehreinsätze.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 10.01.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja