Verschiedene Medikamente (Foto: stevepb/pixabay)

"Der Patient braucht einen Medikationsplan"

Interview: Renate Waninger/Prof. Dr. Daniel Grandt   13.08.2020 | 16:45 Uhr

Millionen von Menschen nehmen jeden Tag mehrere Medikamente ein. Wenn dies mit dem Arzt abgestimmt ist, ist das in der Regel auch kein Problem. Oft wissen die Ärzte aber gar nicht, was Patientinnen und Patienten alles so schlucken – und dann kann es gefährlich werden. Darauf macht der aktuelle Arzneimittelreport aufmerksam. Der Autor des Reports ist Prof. Dr. Daniel Grandt vom Klinikum Saarbrücken. Im SR-Interview spricht er über die Risiken für Patienten und was diese für ihre eigene Sicherheit tun können.

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Prof. Dr. Daniel Grandt: "Der Patient braucht einen Medikationsplan"
Audio [SR 3, Interview: Renate Wanninger/Prof. Daniel Grandt, 13.08.2020, Länge: 03:28 Min.]
Prof. Dr. Daniel Grandt: "Der Patient braucht einen Medikationsplan"
Interview mit Prof. Dr. Daniel Grandt vom Klinikum Saarbrücken über die Medikations-Risiken für Patienten und was diese für ihre eigene Sicherheit tun können.

Eine sichere Verordnung von Medikamenten könne nur erfolgen, wenn der Arzt die anderen eingenommenen Medikamente kennt, sagt Prof. Dr. med. Daniel Grandt. Er ist Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Klinikum Saarbrücken und seit 2007 Vorstandsmitglied der Arzneimittelkommission, die Empfehlungen in der Anwendung von Arzneimitteln gibt. Grandt sagt: "Der Patient braucht einen Mediaktionsplan, den er beim Arzt vorlegt zum Zeitpunkt der Verordnung eines neuen Medikaments, wenn er ausschließen möchte, vermeidbar gefährdet zu werden."

Es gibt lebensbedrohliche Kombinationen

Es gebe Kombinationen von Medikamenten, die zu sehr gefährlichen Wechselwirkungen führen könnten, so Grandt. So zum Beispiel könne es zu einer Beeinträchtigung der Nierenfunktion kommen oder die Gefahr lebensbedrohlicher Blutungen könne steigen.

Bei der Medikamentierung spiele deshalb der Hausarzt eine ganz wichtige, koordinierende Rolle. Es sei aber leider nicht so, dass der Hausarzt immer wisse, was die Fachärzte verordneten, so Grandt.

Was können Patienten tun?

Grandt empfiehlt deshalb Patienten, selbst einen Plan mit den Medikamenten aufzustellen, die von ihnen eingenommen werden. Dazu gehörten auch Medikamte, die nicht ärztlich verordnet worden seien und auch die Dosierung sollte festgehalten werden. Zur Unterstützung empfiehlt er, bei der Aufstellung des Medikamentenplans den Hausarzt hinzuziehen. Ein solcher Plan sei eine gute Basis und erhöhe die Sicherheit bei der Verordnung neuer Medikamente, so der Arzneimittelexperte.

Dabei müsse man natürlich bei einem Facharztbesuch oder im Krankenhaus den Plan auch vorlegen. Der dort behandelnde Arzt sollte im besten Falle diesen Plan dann auch mit dem neu verordneten Medikament ergänzen. "Mir ist im Notfall eine handschriftliche Ergänzung lieber als gar kein Wissen um diese Medikation", sagt Grandt.

Konzept für den elektronischen Zugriff auf Medikamentenpläne

Ab Oktober werde am Klinikum Saarbrücken nun ein Konzept erprobt, "bei dem wir elektronisch auf die Verordnungen der Patienten zugreifen können." Das Ganze laufe über Abrechnungsdaten der Krankenkasse. Solange, bis eine solche elektronische Verfügbarkeit der Medikationsdaten flächendeckend vorlägen, müsse man sich aber anders behelfen.


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Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 13.08.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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