Ein Radweg in Saarbrücken (Foto: ADAC)

"Der ADFC fordert eine Mobilitätsprämie"

Weltfahrradtag: Interview mit Thomas Fläschner (ADFC)

  03.06.2020 | 12:45 Uhr

Am 3. Juni ist Weltfahrradtag. 2018 von den Vereinten Nationen eingeführt, soll er dazu beitragen, dass Fahrrad als gleichberechtigtes Verkehsmittel und als klimafreundliche Alternative zu etablieren. Grund genug, um mal auf die Lage im Saarland zu schauen. Wie sieht es hier aus mit der Fahrradfreundlichkeit? Im SR-Interview findet Thomas Fläschner vom ADFC-Landesverband klare Worte.

Die Nachfrage nach Fahrrädern ist während der Corona-Krise stark gestiegen. Besonders E-Bikes sind ein Kassenschlager. Dafür braucht es allerdings ein umfassendes Radwegenetz. Beim Ausbau habe sich zwar schon einiges getan, es müsse allerdings weiter in neue Radwege investiert werden, mahnt er Sprecher des ADFC-Landesverbands Thomas Fläschner im SR-Interview. Er fordert unter anderem eine Mobilitätsprämie.

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"Der ADFC fordert eine Mobilitätsprämie"
Audio [SR 3, Interview: Renate Wanninger / Thomas Fläschner, 03.06.2020, Länge: 03:50 Min.]
"Der ADFC fordert eine Mobilitätsprämie"

Nach jahrzehnterlanger Autoförderung sei auch im Saarland endlich ein Paradigmen-Wechsel in der Verkehrspolitik angesagt, so Fläschner. Verkehrswege müssten nicht nur in Mindestbreite angelegt werden, damit Radfahrer sich auf den Straßen sicher fühlten. Außerdem fordere der ADFC eine Mobilitätsprämie, die bei der Verkehrsförderung alle Verkehrsmittel des Umweltverbundes berüchsichtige - also den ÖPNV, Fußgänger und Radfahrer.

"Da bleibt der Radfahrer oft sich selbst überlassen"

In Saarbrücken sei das Netz der Radwege immer noch lückenhaft, auf manchen Hauptstraßen bliebe der Radfahrer oft sich selbst überlassen, so Fläschner. In der Innenstadt, an der Dudweilerstraße, von Sulzbach her die gesamte Talaue sehe es zwar schon ganz gut aus, besonders gefährlich sei aber immer noch die Verkehrsführung am Meerwieser Talweg. Gerade hier sind viele Studenten mit Fahrrädern unterwegs.

Saarländische Städte mit Potential

Auch im gesamten Saarland sehe es nicht viel besser aus. Dabei hätten flache, kleine Städte mit kurzen Anbindungen wie Merzig, Homburg, Saarlouis oder Dillingen eigentlich ein hohes Potential. Hier könnte der Radverkehr durchaus 20 bis 30 Prozent erreichen, schätzt Fläschner. Hier könne man sich ein Beispiel an Berlin, München, Münster, Erlangen oder Freiburg nehmen. Diese hätten nicht nur durch Förderung der Infrastruktur, sondern auch durch Öffentlichkeitsarbeit geschafft, den Radanteil teilweise zu verdoppeln.

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Ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" vom 03.06.2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

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