Eine Krankenpflegerin schiebt ein Krankenbett durch einen Flur (Foto: picture alliance / Marijan Murat / dpa)

Das Homburger Schutzkonzept für Patienten

Interview: Kinderschutzexperte Prof. Dr. Jörg Fegert

Interview: Renate Wanninger   07.07.2020 | 16:30 Uhr

Vor einigen Jahren soll es an der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Homburger Uniklinik sexuelle Übergriffe eines Arztes auf Kinder gegeben haben. Im Zuge der Aufarbeitung wurde ein Schutzkonzept für die Patienten erabeitet. Die Landesregierung hat nun den Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Jörg Fegert aus Ulm - einer der führenden Experten zum Thema Kinderschutz - damit beauftragt, das Konzept auf seine Machbarkeit hin zu überprüfen. Im SR-Interview fasst er zusammen, was das Konzept beeinhaltet.

Audio

Prof. Dr. Jörg Fegert: "Wir sind die kritische Brille von außen"
Audio [SR 3, Interview: Renate Wanninger, 07.07.2020, Länge: 06:48 Min.]
Prof. Dr. Jörg Fegert: "Wir sind die kritische Brille von außen"

Personal im Gesundheitswesen kommt bei der Pflege auch immer mal wieder mit der Intimsphäre von Patienten in Kontakt. Das gehört zur Arbeit dazu. Doch wo ist die Grenze? Wie sollte sich das Personal verhalten? Wie kann man sich als Patient schützen, wenn man ein ungutes Gefühl hat? Und wie kann man Kinder schützen? Das an der Uniklinik entwickelte Konzept will auf all dies Antworten geben.

Betroffenen falle es oft sehr schwer, ein so Scham besetztes Thema anzusprechen, sagt Dr. Fegert, der im Auftrag der Staatskanzlei das Konzept auf seine Praktikabilität hin prüft. Wichtig sei es deshalb, dass es klare Beschwerdewege gebe. Bei Kindern sei es zudem besonders wichtig, ihnen zuzuhören und sensibel gegenüber Veränderungen sein.

Sensibilität gegenüber Veränderungen sei zudem auch unter den Mitarbeitern angebracht, sagt Fegert. Auch "falscher Solidarität unter Kollegen" will man mit den Konzept begegnen.

"Alles, was ich aufbaue, verliert sich auch immer"

Auch wenn es am Homburger Uniklinikum jetzt ein Schutzkonzept für Patienten gebe, sei damit die Arbeit an dem Thema nicht erledigt, sagt Fegert. Es gebe nun mal im Gesundheitswesen häufigen Wechsel, so dass man alle paar Jahre im Grunde wieder mit der Sensibilisierung von vorne beginnen müsse.

Schutzkonzept - bald überall verbindlich?

Mit dem Schutzkonzept habe das Uniklinikum in Homburg aus der Not eine Tugend gemacht. Die Krankenhausgesellschaft habe vor einiger Zeit schon signalisiert, dass sie sich dafür einsetzen wolle, dass solche Schutzkonzepte in allen Kliniken und auch in Praxen verbindlich werden. "Und ich glaub, da sind wir kurz vor einem Durchbruch", sagt Fegert.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 07.07.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja