Impfdosis (Foto: SR)

"Wir unterschätzen, dass viele Angst vor Arzt und Krankenhaus, vor der Medizin selbst haben"

Interview: Dorothee Scharner   15.09.2021 | 12:15 Uhr

Deutschlandweit läuft die Impf-Aktionswoche, auch im Saarland. Für die angestrebte Herden-Immunität fehlen hier rund 100.000 Geimpfte im Land, doch das Impftempo läuft eher schleppend. Was hält Menschen davon ab, sich impfen zu lassen? Und welche Ängste, zum Beispiel vor Nebenwirkungen, spielen dabei eine Rolle? Dazu im Interview: Dr. Dirk Jesinghaus. Er ist Internist und Leiter des Impfzentrums Ost in Neunkirchen.

"Wir unterschätzen, dass viele Angst vor Arzt und Krankenhaus, vor der Medizin selbst haben"
Audio [SR 3, Interview: Dorothee Scharner / Dirk Jesinghaus, 15.09.2021, Länge: 04:11 Min.]
"Wir unterschätzen, dass viele Angst vor Arzt und Krankenhaus, vor der Medizin selbst haben"

Noch immer zögern einige Menschen, sich gegen Corona impfen zu lassen. Dabei werde immer wieder unterschätzt, dass viele Menschen von Grund auf Angst vor einem Arztbesuch, dem Krankenhaus oder sogar der Medizin selbst hätten, erklärt der Leiter des Impfzentrums Ost, Dr. Dirk Jesinghaus im SR-Interview.

"Unser bestes Impfzentrum ist der Bus vorm Zoo"

Um diesen Ängsten, die oft gar nichts mit der Impfung selbst zu tun haben, zu begegnen, brauche es niedrigschwellige Angebote, wie etwa die Impfbus vorm Neunkircher Zoo, so Jesinghaus.

Wie wahrscheinlich sind Nebenwirkungen?

Aber auch die Angst vor Impfnebenwirkungen hält viele von einer Impfung ab. Dabei seien die auftretenden Nebenwirkungen in den allermeisten Fällen ganz allgemeine Reaktionen und bedeuteten lediglich, dass der Körper sich mit dem Impfstoff auseinandersetzt, betont Jesinghaus. Diese leichten Allgemeinwirkungen reichen von Kopfschmerz, Müdigkeit bis hin zu einem leichten Krankheitsgefühl. Hinzu kommt: "Es trifft auch nicht alle. Eher die Minderheit".

Gravierendere Nebenwirkungen, wie etwa eine Herzmuskelentzündung bei der Impfung mit Biontech seien hingegen sehr selten und auch nicht höher als bei anderen Impfungen.

Gürtelrose?

Die Angst vor einer Gürtelrose hat einige Menschen vor einer Impfung abgeschreckt. Auch hier gibt Jesinghaus Entwarnung. Eine Häufung von Gürtelroseerkrankungen im Zusammenhang mit einer Impfung habe man nicht beobachten können.

Schwere Fälle in Krankenhäusern?

Dem SR liegen auch Berichte aus dem Krankenhauspersonal vor, die von schweren Fällen von Nebenwirkungen von Corona-Impfungen sprechen. Diese Fälle gebe es tatsächlich - allerdings in nur sehr geringer Zahl, so Jesinghaus. Zu Beginn habe man es vor allem mit ungewöhnlichen Thrombosen zu tun gehabt, mit vorübergehenden Störungen der Nervenfunktion und andere schwere Komplikationen - aber nicht mehr als bei anderen Medikamenten.

Pandemie gefährlicher als Nebenwirkungen

Sowohl bei jungen als auch alten Menschen empfiehlt der Internist eine Impfung. Bei alten Menschen sei eine Corona-Erkrankung sehr viel gefährlicher und tödlicher als etwaige Nebenwirkungen. Bei jungen Menschen, zum Beispiel Schülern, gebe zudem durch die Delta-Variante ein erhöhtes Infektionsrisiko.

Ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" vom 15.09.2021 auf SR 3 Saarlandwelle.

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