Junge Frau am Computer (Foto: dpa)

Computer, die unsere Stimmung lesen können?

Interview: Nadine Thielen/Andreas Bulling   14.08.2018 | 16:45 Uhr

Wenn man seinem Gegenüber ins Gesicht sieht, kann man darin meist auch ablesen, ob er sich freut, aufgeregt, verärgert oder traurig ist. Es gelingt uns Menschen zwar nicht immer, ganz genau die Stimmung zu erfassen, doch bisher war diese Fähigkeit etwas besonders, das uns Lebewesen auszeichnet. Doch das könnte sich ändern. Andreas Bulling, Informatiker am Saarbrücker Max-Planck-Institut für Informatik hat für seine Forschung eine EU-Förderung von 1,5 Millionen Euro erhalten. Seine Projekt: Der Computer, der auch zwischenmenschliche Signale und Stimmugen deuten kann.

Zusammen mit Wissenschaftlern aus Stuttgart und Australien hat der Saarbrücker Informatiker Andreas Bulling eine Software entwickelt, die Augenbewegungen von Menschen lesen kann. "Im ersten Schritt haben wir nur gezeigt, dass man durch die Analyse der Augenbewegungen Rückschlüsse auf die Person ziehen kann" - zum Beispiel ob sie eher offen oder eher verschlossen sei, so Bulling. Dies sei jedoch nur ein erster Schritt.,

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Interview: "Annahmen sind sehr fundamental für unser Miteinander"
Audio [SR 3, Interview: Nadine Thielen, 14.08.2018, Länge: 03:01 Min.]
Interview: "Annahmen sind sehr fundamental für unser Miteinander"

Wir Menschen haben die Fähigkeit, bei unserem Gegenüber die Stimmung abzulesen und wir treffen zugleich auch automatisch Annahmen über die Bewustseinsvorgänge des Gegenübers, zum Beispiel seine Absichten. Dies Annahmen seien für die menschliche Interaktion von fundamentaler Bedeutung, sagt Bulling. Ziel des nun anstehenden Forschungsprojektes sei es, Computersysteme mit ähnlichen Fähigkeiten auszustatten.

Anwendungsmöglichkeiten

Eine Anwendungsmöglichkeit für solche Computer-Kompetenzen sieht Bulling beispielsweise im medizinischen Bereich. "Ich denke da beispielsweise an Personen aus dem Autismusspektrum, die ja genau bei diesen Fähigkeiten massive Schwierigkeiten haben", so der Informatiker. Computer könnten sie dann in diesem interaktiven Bereich unterstüzten.

Auch einen Einsatz beim digitalen Lernen kann er sich vorstellen. Vorstellbar sei, dass die Systeme dann optimiert auf die Berdürfnisse und Erwartungen des Nutzer reagieren könnten. Uns auch bei der Informationssuche sieht der Informatiker Einsatzmöglichkeiten.

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