Jean-Marc Ayrault  (Foto: picture alliance / Matthias Balk/dpa)

Ayrault: „Nach der Trauer wieder Hoffnung finden“

  17.04.2019 | 14:18 Uhr

Sprachlos haben viele Franzosen angesichts des Brandes der Kathedrale Notre-Dame am Montagabend reagiert – und sie sind zusammengerückt. So erging es auch Jean-Marc Ayrault, dem früheren französischen Premierminister und Bürgermeister von Saarbrückens Partnerstadt Nantes. Im SR 3-Interview beschrieb er die Gefühlslage in Frankreich.

Zunächst sei der Unfall unverständlich gewesen, sagte Ayrault. „Am Anfang habe ich nicht geglaubt, dass das passieren könnte. Notre-Dame ist da und bleibt so stark in der Landschaft, dass man nie gedacht hat, dass das in Brand geraten könnte.“ Genau das sei aber geschehen, und es sei eine Tragödie für die Franzosen, die Europäer und Menschen auf der ganzen Welt.

Symbol in der Pariser Landschaft

Notre-Dame zähle jedes Jahr 13 Millionen Besucher, so Ayrault, und es sei ein Symbol in der Pariser Landschaft, neben dem Eiffelturm. „Aber das ist nicht nur ein Symbol für Christen und Katholiken, sondern auch für Republikaner, Gläubige und Nichtgläubige. Das hat alle Franzosen gründlich schockiert.“

Jean-Marc Ayrault über den Brand in Notre-Dame
Audio [SR 3, Wanninger, Renate, 17.04.2019, Länge: 08:31 Min.]
Jean-Marc Ayrault über den Brand in Notre-Dame

Dieses Zusammenstehen in der Not ist für Ayrault eine wesentliche Eigenschaft der Franzosen. „In diesem außerordentlichen Zusammenhang sind die Franzosen einig, Gläubige oder Nichtgläubige, Katholiken oder nicht. Und der Präsident der Republik hat gestern Abend die richtigen Worte gefunden.“ Das Ziel aller Franzosen sei der Wiederaufbau der Kathedrale, mit Unterstützung durch den Staat, Unternehmen und Menschen weltweit. Man müsse „nach der Trauer wieder eine Hoffnung finden“.

Erinnerungen an Nantes und Dresden

Gerade jetzt, vor Ostern, sei das Feuer eine richtige Tragödie, findet Ayrault. Er erinnerte an den Brand in der Bischofskirche St. Peter von Nantes 1972. Damals habe man auch befürchtet, dass die Kirche in sich zusammenstürzen könnte. Die engagierten Feuerwehrleute hätten das aber verhindert – genau wie jetzt in Paris. „Nantes hat jetzt wieder seine Kathedrale, und es ist eine schönere Kathedrale geworden. Aus einer Tragödie kann man etwas Besseres machen, wenn man es will. Wir wollen es unbedingt.“

Ayrault lobte besonders die Arbeit der Feuerwehrleute, die sehr stark gekämpft hätten. Sie hätten unter Lebensgefahr alles gerettet, was möglich war. Den Wiederaufbau innerhalb von fünf Jahren, wie von Präsident Macron angekündigt, hält er mit Verweis auf den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche für ambitioniert. „Es ist wichtig, sich so ein Ziel zu definieren, aber in der Tat wird es schwierig sein und lang dauern. Es braucht Zeit, wenn man es gut und schön machen will.“ Außerdem werde viel Geld benötigt.

Über dieses Thema hat auch die SR 3 Region am Mittag vom 17.04.2019 berichtet.

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