Windräder stehen vor der untergehenden Sonne. (Foto: picture alliance/dpa | Patrick Pleul)

"Wir hinken hinter den Erwartungen der Energiewende hinterher"

Interview mit Wolfram Axthelm, Geschäftsführer des Bundesverbandes Windenergie

Interview: Dorothee Scharner   02.08.2021 | 16:45 Uhr

2020 wurden im Saarland sieben neue Windkraftanlagen in Betrieb genommen, in diesem Jahr gab es noch keine einzige. Dabei soll die Windkraft eine der tragenden Säulen bei der Energiewende sein. Ist das Saarland ein Einzelfall? Und was sollte das Ziel sein?

Erneuerbare Energien "werden nicht nur im Stromsektor gebraucht", sagt Wolfram Axthelm, Geschäftsführer des Bundesverbandes Windenergie. Es gehe auch um die Wärmeversorgung und die Bereitstellung von Energie für den Wasserstoff. Dazu könne die Windenergie einen großen Beitrag leisten.

SR-Interview: Wolfram Axthelm Geschäftsführer des Bundesverbandes Windenergie
Audio [SR 3, Interview: Dorothee Scharner, 02.08.2021, Länge: 03:48 Min.]
SR-Interview: Wolfram Axthelm Geschäftsführer des Bundesverbandes Windenergie

Axthelms Credo lautet: "Wir müssen an die Potenziale im eigenen Land zuerst denken, bevor wir über Energiepartnerschaften mit anderen Regionen der Welt reden." Dazu müsse die Produktion der Windenergie jedoch auch möglich gemacht werden.

"Wir hinken hinter den Erwartungen der Energiewende hinterher"

Für Gesamtdeutschland müsse man sagen: "Wir hinken hinter den Erwartungen der Energiewende hinterher", so Axthelm. Es gebe zwar bundesweit gegenüber 2020 einen Anstieg bei der Windenergie, aber in einzelnen Regionen, insbesondere im Süden und so auch im Saarland mit seiner energieintensiven Industrie, komme der Ausbau nicht voran.

Im Saarland wurde im laufenden Jahr keine einzige neue Windkraftanlage in Betrieb genommen. Im Sachsen gebe es im Hinblick auf die Windenergie sogar einen negative Trend, sagt Axthelm. Dort habe es einen Abbau von Windkraftanlagen gegeben.

Das Ziel: Windenergie auf zwei Prozent der Fläche

Für die Energiewende sei es jetzt notwendig, "dass alle gemeinsam dafür sorgen, dass wir die Energienachfrage - insbesondere der Industrie - auch bedienen und erfüllen können", so Axthelm. Und da seien die Landesregierungen genauso gefordert wie der Bund, wobei die Frage der Flächenbereitstellung in den Händen der Länder liege. Ziel sei es, auf zwei Prozent der Fläche in jedem Bundesland Windenergie zu erzeugen, ohne dass es dabei zu Konflikten mit den Artenschutz komme.

Dialog - so früh wie möglich

Entscheidend für die Akzeptanz in der Bevölkerung sei, dass es bei den Verfahren transparent zugehe, sagt Axthelm. Das heißt, "dass man früh darüber gemeinsam spricht, was in einer Region möglich ist oder nicht." Die Bürger sollten demnach so früh wie möglich, schon während des Projektstadiums, in eine Diskussion mit einbezogen werden und nicht erst, wenn das Genehmigungsverfahren schon laufe.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 02.08.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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