Ein Pfleger schiebt eine Frau im Rollstuhl (Foto: picture alliance/dpa | Tom Weller)

"Ich pflege wieder, wenn..."

Interview: Beatrice Zeiger, Geschäftsführerin der Arbeitskammer des Saarlandes

  03.05.2022 | 16:30 Uhr

Viele Pflegekräfte arbeiten nur noch Teilzeit, weil der Beruf so belastend ist, andere sind gleich ganz ausgestiegen. Wie bekommt man diese Menschen zurück in die Pflege? Das wurde bei einer groß angelegten Studie untersucht. Das Ergebnis: 300.000 - vielleicht sogar bis zu 600.000 Pflegekräfte könnten zurückgewonnen werden, wenn Personalschlüssel, Bezahlung und Wertschätzung stimmen.

Die Arbeitskammer des Saarlandes, die Arbeitnehmerkammer Bremen und das Institut Arbeit und Technik an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen haben in einer groß angelegten Studie versucht herauszufinden, was sich ändern müsste, damit ausgebildete Pflegekräfte, die aus ihrem Beruf ausgestiegen sind, wieder zurückkehren und diejenigen, die nur noch Teilzeit arbeiten, ihre Stunden wieder aufstocken.

Video [aktueller bericht, 03.05.2022, Länge: 3:23 Min.]
Arbeitskammer hält Rückgewinn von 300.000 Pflegekräften möglich

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Arbeitskammer: "Es braucht mehr Personal"
Audio [SR 3, Nadine Thielen, 03.05.2022, Länge: 03:43 Min.]
Arbeitskammer: "Es braucht mehr Personal"
SR-Interview: Beatrice Zeiger, Geschäftsführerin der Arbeitskammer des Saarlandes

Die Studie mit dem Titel "Ich pflege wieder, wenn..." habe ergeben, dass - konservativ gerechnet - um die 300.000 Pflegekräfte zurückgewonnen werden könnten - als Rückkehrer oder Aufstocker, sagt Beatrice Zeiger, Geschäftsführerin der Arbeitskammer des Saarlandes. "Bei einer optimistischen Berechnungsmethode würden wir sogar auf 660.000 kommen."

Mehr Personal

Eine wichtige Voraussetzung sei für die meisten mehr Personal, um den Beruf so ausüben zu können, wie sie es gelernt haben. Das sei entscheidend für die Freude an der Arbeit und die Zufriedenheit mit der Qualität der Arbeit. Mehr Personal sei einfach das dringlichste Anliegen "und es gibt ja Instrumente, um an dieser Schraube zu drehen", sagt Zeiger.

Bessere Bezahlung

Ein weiteres wichtiges Thema sei für Pflegekräfte die Bezahlung. Besonders dringlich sei eine Verbesserung in der Altenpflege und in der ambulanten Pflege.

Mehr Wertschätzung

Und auch die Wertschätzung der Arbeit sei für die Pflegekräfte von großer Bedeutung. Dazu zähle sowohl der Umgang untereinander, als auch die Wertschätzung durch die Führungskräfte.

Wer soll das bezahlen?

Mehr Personal und eine höhere Vergütung kosten Geld. Die Pflege würde teurer werden. Für Angehörige kaum zu stemmen, da die Belastung durch den Eigenanteil an der Pflege sowieso schon recht hoch ist.

Hier sei schon ein erster Schritt getan, sagt Zeiger. Im Koalitionsvertrag sei ausgehandelt worden, die Ausbildungsvergütung aus dem Eigenanteil herauszulösen. Doch es müsse noch mehr getan werden. Es müsse eine Art Pflegevollversicherung geben - mit einem Sockel als Eigenanteil, so die Arbeitskammer-Chefin.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 03.05.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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