Hummel bestäubt Obstbaumblüten. (Foto: pixabay / seaq68)

"Habe Hoffnung für das Überleben der Insekten"

Interview: Martin Lillig vom BUND Saar über den "Insektenatlas 2020"

Interview: Nadine Thielen   08.01.2020 | 10:24 Uhr

Der BUND, die Heinrich-Böll-Stiftung und Le Monde Diplomatique haben in Berlin den jüngsten "Insektenatlas" vorgestellt. Nadine Thielen hat mit Martin Lillig vom BUND Saar darüber gesprochen, wie eine Welt ohne Insekten aussehen würde, und was der Einzelne tun kann.

Insekten halten das ökologische System der Erde am Laufen. Weltweit geht die Population von Insekten aber zurück. Dabei sind drei Viertel der wichtigsten Kulturpflanzen abhängig von deren Bestäubung. Das geht aus dem Insektenatlas 2020 hervor. Für Obst- und Gemüsesorten wie Äpfel, Kirschen, Pflaumen oder Gurken droht etwa ein Ernterückgang von bis zu 90 Prozent.

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Martin Lillig vom BUND Saar.
Audio [SR 3, Interview: Nadine Thielen / Martin Lillig, 08.01.2020, Länge: 04:01 Min.]
Martin Lillig vom BUND Saar.

Insekten verbessern außerdem durch das Zersetzen von Dung und abgestorbenen Pflanzenteilen die Bodenqualität und reduzieren Pflanzenschädlinge. So fressen laut Insektenatlas Marienkäfer rund 80 Prozent von Getreideblattläusen.

Nicht nur der Klimawandel

Ein Grund für das Insektensterben ist laut Martin Lillig vom BUND Saar der Klimawandel. Zudem zerstöre die intensive Landwirtschaft die Lebensgrundlage von Insekten in immer größerem Ausmaß. Die Bauern, so Lillig, seien aber gezwungen, immer größere Flächen anzubauen sowie Pestizide zu nutzen, um auf ihre Kosten zu kommen.

Für den BUND steht fest: Ohne einen Umbau der Landwirtschaft ist das Sterben von Schmetterlingen, Hummeln und Käfern nicht zu stoppen. Wichtig sei daher, dass Landwirtschaft Politik und Naturschutzverbände zusammen arbeiten.

Saarland Spitzenreiter in Deutschland

Das Saarland sei mit 17 Prozent Spitzenreiter bei der ökologischen Landwirtschaft. Bis 2025 sollten es 25 Prozent sein. Das habe Österreich übrigens schon jetzt erreicht. Dabei müsse die Agrarpolitik die Betriebe unterstützen, weniger Pestizide einzusetzen, weniger Dünger auszubringen und mehr Lebensräume für Insekten zu schaffen.

Persönlich könne jeder was tun, meint Lillig, in dem er oder sie zum Beispiel den Fleischkonsum einschränke. 80 Prozent der weltweiten Fläche für die Landwirtschaft werde genutzt für die Fleischerzeugung. Darum könnten schon kleinere Portionen oder der Kauf von Biofleisch helfen.

Hier gibt es den "Insektenatlas 2020"

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Mittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 08.01.2020 berichtet.

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