Ein Schüler liest in einem Buch. (Foto: Maja-Hitij/dpa/picture alliance)

Und plötzlich ist Schluss für die Integrationshelferin

Steffani Balle   13.08.2021 | 12:15 Uhr

25 Familien, die für eins ihrer Kinder eine Integrationshilfe vom DRK St.Ingbert bekommen, wissen nicht, wie es nach den Sommerferien weiter geht. Weil das DRK im Kreisverband St. Ingbert mehr bezahlen will als andere Träger, aber nicht entsprechend viel vom saarländischen Sozialministerium bekommt, sah sich die Geschäftsstelle genötigt, befristete Verträge von Integrationshelfern nicht zu verlängern. Und das kam für die meisten Betroffenen ganz plötzlich.

Der Brief von der Krankenkasse kam am 31. Juli. Der Inhalt: "Ihr Arbeitsvertrag läuft aus, ab dem 1. August sind Sie nicht mehr als Integrationshelferin beim DRK St. Ingbert beschäftigt." Das sei die ganze Mitteilung gewesen, berichtet eine Integrationshelferin dem SR.

Und plötzlich ist Schluss für die Integrationshelferin
Audio [SR 3, Steffani Balle, 13.08.2021, Länge: 03:04 Min.]
Und plötzlich ist Schluss für die Integrationshelferin

Man habe bis zur letzten Minute mit dem Ministerium verhandelt, letztendlich aber einsehen müssen, dass es nicht mehr Geld von dort gebe, erklärt dazu der Geschäftsführer des DRK St. Ingbert. Ansonsten hätte man sehr gerne die Mitarbeitenden selbst informiert.

Die Integrationshelferin - ein Segen für Luis

So aber kam die böse Überraschung ganz plötzlich. Auch für Jenny und Holger, deren zwölfjähriger Sohn Luis eine Integrationshelferin an seiner Seite braucht, seit er in die Schule geht. Luis hat einen seltenen Gendefekt, der dazu führt, dass er sich nicht selbst organisieren kann und schleppend spricht.

Mithilfe der Unterstützung einer Integrationshelferin ist er ein sehr guter Schüler. Seine jetzige Helferin würde er gerne behalten, denn sie helfe ihm auch, wenn er in der Schule von anderen geärgert werde, sagt er - und das sei ein großes Thema für ihn, so seine Mutter. Ebenso wie für sie selbst, denn bei ihrer Integrationshelferin weiß sie ihr Kind in sicheren Händen. "Ich hab das Gefühl, sie behandelt Louis als wär's das eigene Kind."

Ersatz zu finden - kein Problem?

Doch nun wurde der Vertrag für das kommende Schuljahr nicht verlängert und der Schulbeginn steht vor der Tür. Mehrere Anbieter hätten sie bereits kontaktiert, sagt Jenny - doch bislang ohne Ergebnis.

Der Behindertenbeauftragte des Landes, Daniel Bieber, geht davon aus, dass die betroffenen St. Ingberter Intergrationshelfer sich nach anderen Trägern umsehen werden. Er glaube nicht, dass es nach den Schulferien betreuungslose Situationen geben werde.

Behindertenbeauftragte für bessere Bezahlung

Nichtdestotrotz sei die große Fluktuation bei den Integrationshelfern bedauernswert, so Bieber. Häufig wechselten die mit lediglich nicht einmal zehn Euro Stundenlohn bezahlten Kräfte in besser bezahlte Jobs. "Das ist sicherlich nicht im Sinne des Erfinders", so Bieber und plädiert deshalb eindringlich für eine bessere Bezahlung der Schulassistenzen.

Für Jenny, Holger und ihren Sohn heißt es jetzt erst mal: Hoffen, dass auf die Schnelle eine gute Lösung gefunden wird. Damit Luis zu Beginn des neuen Schuljahres nicht allein da steht.


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