Ein Arzt impft einen Patienten gegen Grippe. (Foto: dpa/Kay Nietfeld)

Wie sieht es mit der Impfbereitschaft im Saarland aus?

René Henkgen   03.12.2020 | 13:00 Uhr

Laut Weltgesundheitsorganisation muss die Impfquote etwa bei 70 Prozent liegen, um die sogenannte Herdenimmunität gegen das Coronavirus zu erreichen. Aktuelle Umfragen zeigen, dass die Bereitschaft etwas niedriger liegt. Vor allem die neuartige Methode sorgt für Skepsis - doch nicht impfen ist noch gefährlicher, meinen Experten.

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Wie sieht es mit der Impfbereitschaft aus?
Audio [SR 3, René Henkgen, 03.12.2020, Länge: 02:56 Min.]
Wie sieht es mit der Impfbereitschaft aus?

Was nützt ein Impfstoff, wenn sich keiner impfen lassen will? Rein gar nichts. Ganz so schlimm sieht die Lage in Deutschland nicht aus, aber nach neuesten Umfragen wollen sich hierzulande lediglich 57 Prozent gegen Corona impfen lassen. Für eine Herdenimmunität bräuchte es laut WHO aber eine Impfrate von bis zu 70 Prozent.

Skepsis gegenüber dem neuartigen Impfstoff

Bundesweite Umfrage
Impfbereitschaft im Saarland offenbar niedrig
Die Bereitschaft, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen, ist im Saarland offenbar niedriger als im Bundesschnitt, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. Viele zweifeln an der Sicherheit der Impfstoffe.

Eine stichprobenartige Umfrage unter den Saarländerinnen und Saarländern hat ergeben: Es gibt teilweise noch eine gewisse Skepsis gegenüber dem Corona-Impfstoff. Das entspricht auch aktuellen Forschungsergebnissen der Universität Hamburg. Demnach sind sich etwa ein Viertel der Menschen unsicher, ob sie sich gegen Covid-19 impfen lassen sollen oder nicht. Und jeder Fünfte lehnt aktuell sogar eine Impfung ab. Das sind deutlich mehr als bei ersten Befragungen im April.

Prof. Marc Oliver Rieger von der Universität Trier beschäftigt sich seit Beginn der Pandemie mit vielen Fragestellungen zu Covid-19. Einen Grund für die Zunahme von Impfunsicherheiten in der Bevölkerung sieht er in den sozialen Medien, weil dort zahlreiche Verschwörungstheorien zur Corona-Impfung kursierten.

Rieger räumt aber auch ein, dass es viele Bedenken gibt, die nachvollziehbar sind, zum Beispiel die Tatsache, dass der Impfstoff auf einer neuartigen Technologie beruht. "Im Zweifelsfall sagen die Leute: Das ist mir zu riskant, ich hab gehört, das könnte doch gefährlich sein. Sie ignorieren dabei aber die Tatsache, dass es nicht nur im Zweifelsfall sondern ganz sicher gefährlich ist, sich nicht impfen zu lassen", so Rieger.

Wie kann man Menschen von der Impfung überzeugen?

Professor Rieger hat dazu eine Untersuchung gemacht mit einem - auch für ihn - überraschenden Ergebnis: Altruismus – also in diesem Fall der Schutz der Mitmenschen - war der stärkste Überzeugungsfaktor für Unentschlossene. Mit diesem Argument konnten sogar Impfgegner für eine Impfung überzeugt werden.


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Ein Thema in der "Region am Mittag" am 03.12.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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