Deutlich mehr Wildschweine im Saarland

Deutlich mehr Wildschweine im Saarland

Stefan Hauch   11.03.2021 | 12:50 Uhr

Corona hat auch die Jagd ausgebremst. Es wurden bisher deutlich weniger Wildschweine geschossen als im Vorjahr. Hinzu kommt, dass die Schwarzkittel wegen guter Futterbedingungen mehr Nachwuchs hatten als normalerweise. Das bringt Probleme mit sich. Und die Prognose der Wildbiologen lautet: Das Problem wird im kommenden Jagdjahr noch deutlich größer. Die Anzeichen, dass die Zahl der Wildschweine in Deutschland noch einmal wächst, seien klar erkennbar.

Ende März endet das "Jagdjahr 2020" - die Jäger haben ihre eigene Zeitrechnung und ziehen jetzt Bilanz. Mit den "Streckenzahlen" bezeichnen sie die Anzahl der erlegten Wildtiere innerhalb des Jagdjahres. Rehe und Wildschweine stehen dabei hierzulande im Mittelpunkt der Jagd. Es zeichnet sich nun ab, dass deutlich weniger Wildschweine erlegt wurden als im Jahr zuvor. In den privaten Revieren seien rund 3400 Wildschweine erlegt worden - im vergangenen Jahr seien es über 10.000 gewesen, sagt Landesjägermeister Josef Schneider.

Pandemie sorgt für mehr Wildschweine
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 11.03.2021, Länge: 08:06 Min.]
Pandemie sorgt für mehr Wildschweine

Jagdgegner werden das vermutlich gut finden, aber die Zahl der Wildschweine im Saarland ist deutlich zu hoch. Zu spüren bekommen das vor allem auch die Landwirte. Die Tiere graben auf der Suche nach Larven und Engerlingen die Wiesen und Weiden um und richten damit erheblichen Schaden an.

Corona hat die Jagd ausgebremst

Corona hatte dazu geführt, daß ein großer Teil der winterlichen Drückjagden abgesagt wurde oder nur in kleinem Kreis statt fand. Viele Revierinhaber sahen sich nicht in der Lage, die aufwändigen Hygienevorgaben zu erfüllen. Und die Einzeljagd vom Hochsitz sei durch Corona auch erschwert gewesen, sagt der Landesjägermeister Schneider. Durch die Corona-Maßnahmen seien viel mehr Menschen im Wald unterwegs gewesen als normalerweise, was dazu führe, dass sich das Wild mehr verstecke.

Wildschwein-Bache mit ihren Frischlingen (Foto: dpa)

Mehr Nachwuchs durch Futter-Überangebot

Doch nicht nur die eingeschränkte Jagd ist für die deutliche Zunahme der Schwarzkittel verantwortlich. 2020 war ein sogenanntes „Mastjahr“. Es gab große Mengen von Eicheln und Bucheckern und damit reichlich Futter für die Wildschweine. Die Folge: mehr Nachwuchs. Eine erwachsene Bache zwischen drei und sieben Jahre könne pro Jahr zwischen sechs und neun Jungen bekommen - und zwar jedes Jahr, sagt Wildbiologe Dr. Daniel Hofmann. Und bei guten Bedinungen könnten selbst die jungen Wildschweine unter einem Jahr zwei, drei Junge bekommen.

Gefahr: Afrikanische Schweinepest

Und noch ein weiteres Problem gibt es durch die große Zahl der Tiere. Sie könnten Treiber für die Afrikanische Schweinepest (ASP) werden, die bereits im Osten Deutschlands angekommen ist. Hauptüberträger der Viren sind Wildschweine. Gelangt die ASP in Schweinezuchtbetriebe, muss der gesamte Tierbestand getötet werden.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 11.03.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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