Hühner im Freiluftgehege (Foto: SR)

Eierlegende Nutztiere und pflegebedürftige Mitbewohner

mit Informationen von Julia Becker-Maleska   12.04.2022 | 09:45 Uhr

Das Frühstückstei von den eigenen Hühnern - das liegt auch im Saarland im Trend. Die meisten Eier kommen natürlich aber vom Hühnerhof. Wir haben einen saarländischen Geflügelhof besucht und eine Tierretterin, für die das Tierwohl das Wichtigste ist.

Eier sind beliebt - fast 250 Stück im Jahr verbraucht jeder Deutsche. Und immer mehr Menschen wollen genau wissen, wo sie herkommen und vor allem, wie die Hühner gehalten werden. Und immerhin: Über 60 Prozent der deutschen Eier stammen inzwischen aus Bodenhaltung.

Blick in einen saarländischen Geflügelhof

Blick in einen saarländischen Geflügelhof
Audio [SR 3, Julia Becker-Maleska, 12.04.2022, Länge: 02:53 Min.]
Blick in einen saarländischen Geflügelhof

Im Saarland betreibt Markus Joseph seinen eigenen Geflügelhof. Gleich vor dem Hühnerstall hängt ein Schild: "Wertvoller Tierbestand".

In zwei Ställen hält Joseph insgesamt 5000 Leghorn-Hühner in zwei Altersgruppen - und zwar in Bodenhaltung mit einem Volieren-System über zwei Etagen. Das sorge dafür, dass man die Tiere zu 80 Prozent vom Kot trennen und vor Krankheiten besser schützen könne als früher, erzählt Joseph.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Die Tiere sind gut bewacht, nur befugte Mitarbeitende dürfen zu ihnen. Es gibt hohe Sicherheitsvorkehrungen mit Absperrungungen und eigener Alarmanlage, auch weil ein kommerzieller Tierbetrieb immer Einbrecher oder aktivistische Tierschützer befürchten muss.

Aber auch der Schutz vor Krankheiten und Seuchen spiele bei den Sicherheitsmaßnahmen eine Rolle, so Joseph. Unter anderem werde der Betrieb alle zwei Wochen auf Salmonellen geprüft. Um keine Erreger mit einzuschleppen, muss man sich deshalb am Eingang die Schuhsohlen mit Ameisensäure desinfizieren.

Tierwohl im Stall

Die 5000 Tiere legen täglich auch fast genauso viele Eier. Normalerweise leben Hühner in Boden- und auch Freilandhaltung ein Jahr. Solange sind sie sozusagen lukrativ.

Der Geflügelhof von Markus Joseph gehört zu den kleineren Betrieben und hier leben die Hühner länger - nämlich zwei Jahre. Im zweiten Jahr legten sie dann größere Eier, die nicht alle Betriebe gut verkaufen könnten, so der Hühnerwirt. In seinem Betrieb gelinge das über die Direktvermarktung. Eine Ausnahme, das weiß auch der gelernte Tierwirt.

Joseph lebt vom Eier-Verkauf und von der Nudel-Produktion. Um seinen Kunden ein gutes Produkt anbieten zu können, investiert er viel in seine Tiere: gutes Futter und Beschäftigungsmöglichkeiten im Stall.

Gute Haltung hat ihren Preis

Es sei schwer, einen Nutztierbetrieb positiv darzustellen, weil der Verbraucher falsche Vorstellungen habe, sagt er: Denn selbst in der Freilandhaltung seien es nicht die "zwei Hühner auf der grünen Wiese".

Die Ideal-Vorstellung von vielen sei: billige Eier von glücklichen Hühnern. Doch das sei eine Illusion, so Joseph. Denn der Landwirt müsse ja auch davon leben können.


Hühnerrettung im Saarland 


Von der Liebe zum lieben Federvieh
Audio [SR 3, Julia Becker-Maleska, 12.04.2022, Länge: 02:18 Min.]
Von der Liebe zum lieben Federvieh

Auch Jennifer Kaiser und ihr Mann haben viel zu tun in Sachen Huhn. Sie halten insgesamt 17 Hühner in ihrem Garten in Heusweiler. Jenny engagiert sich für den Tierschutzverein "Rettet das Huhn“, der jedes Jahr deutschlandweit mehrere 1000 Hühner in Kooperation mit den Landwirten vor dem Schlachter rettet.

Der Verein hat Pflegestellen gesucht für Tiere, die sehr verletzt sind. Jenny war bei einer Rettung dabei und hat sich informiert. Es sei ein enormer Zeitaufwand, erzählt sie: Von der Unterbringung im Haus, der Wundversorgung, bis hin zu den Tierarztbesuchen gebe es viel Arbeit.

Trotzdem hat sie sich dafür entschieden und bereut es nicht: "Es ist schön zu sehen, wie die Hühner sich entwickeln. Denn bei der Ankunft kämpften die oft abgemagerten und nackten Tiere ums Überleben.

Auch wenn es viele Rückschläge gibt. Sie könne abends ruhig schlafen, sagt sie - weil sie sich einsetze und selbst die Eier ihrer eigenen Hühner nicht mehr esse, sondern verschenke, damit Freunde und Familie keine Eier mehr kaufen müssen.

Huhn im Glück

Hühner sind für Jennifer liebenswerte Haustiere und jedes ist ein wertvolles Individuum - wie die Henne "Frau Krall". Eine Atemwegserkrankung habe der Henne schwer zu schaffen gemacht.

Für zwei Monate wurde sie dann von Jennifer im Wohnzimmer gesund gepflegt. Mehrere Hundert Euro hat sie in die Genesung von "Frau Krall" gesteckt. Und auch wenn manche sie für verrückt erklärten, eins ist eindeutig: Hier ist "Frau Krall" ein glückliches Huhn!


Mehr zum Thema

"Land & Leute", 17. April 2022
Hühner - voll im Trend
Die einen halten sie in großer Zahl für die Eierproduktion, andere als Hobby im eigenen Garten und wieder andere betreiben sogar für sie eine Pflegestelle. Über die Liebe zu Hühnern - ein Feature von Julia Becker-Maleska . Ostersonntag auf SR 3 Saarlandwelle.

Auch ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 12.04.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja