Rathaus Nalbach (Foto: Dirk Petry/SR)

Hochwasserschutz: Aschbach-Renaturierung dauert und dauert

Emil Mura   12.08.2021 | 16:30 Uhr

Die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal war der vorläufige Höhepunkt einer besorgniserregenden Entwicklung. Seit einigen Jahren nehmen Starkregenereignisse zu - auch im Saarland. 2018 wurden Bliesransbach und Kleinblittersdorf von Starkregen verwüstet und auch den Nalbacher Ortsteil Pisbach hatte es damals schwer getroffen. Im Rahmen eines Hochwasserschutzkonzeptes sollte der Aschbach renaturiert werden - doch bis heute wurde das nicht umgesetzt.

Der Aschbach ist ein rund 20 Zentimeter breites Bächlein, das lange durch den Wald fließt, bevor es den Nalbacher Ortsteil Piesbach erreicht.

Hochwasserschutz in Piesbach: Renaturierung des Aschbachs dauert und dauert
Audio [SR 3, Emil Mura, 12.08.2021, Länge: 03:03 Min.]
Hochwasserschutz in Piesbach: Renaturierung des Aschbachs dauert und dauert

Bei den Unwettern vor drei Jahren hat sich das Rinnsal jedoch innerhalb kürzester Zeit in einen Sturzbach verwandelt. Am Ortseingang trafen die Wassermassen als erstes auf den Vorgarten von Jörg Dillmann.

Der ganze Hof sei damals durch den Rückstau vollgelaufen, sagt Dillmann. Schlamm und Wassermassen hätten die Kellertür komplett eingedrückt und alle sieben Räume des Kellerbereichs seien bis zu einem Meter Höhe vollgelaufen.

Immer wieder Prüfung durch das Landesumweltamt

Betroffen waren neben dem Haus der Dillmanns knapp zehn weitere Häuser im Keltenweg. Als Reaktion auf das Hochwasser hatte die Gemeinde angekündigt, den Aschbach zu renaturieren. Das war auch bereits genehmigt. Umgesetzt wurde die Maßnahme bisher jedoch nicht.

Zurzeit gebe es eine erneute Prüfung des Landesumweltamtes wegen der Genehmigung, so Dillmann. "Das Ganze fängt jetzt wieder von vorne an, und wir als die Betroffene hier, die Anwohner vom Keltenweg, wir verstehen die Welt nicht mehr", sagt er. Man habe dass Gefühl, dass man hingehalten werde.

Gemeinde: Immer wieder Umplanungen notwendig

Die Gemeinde führt als Grund für die Verzögerungen auf, dass für die Renaturierung des Aschbachs zahlreiche Grundstücke umgestaltet werden müssen, darunter Waldgrundstücke oberhalb der Ortschaft.

Das ist nach Aussage von Bürgermeister Peter Lehnert aber an der Zustimmung einzelner Grundstücksbesitzer gescheitert. Deshalb habe man mehrmals umplanen und die neuen Planungen immer wieder zur Überprüfung in den Ministerien geben müssen für die Bewilligung der Gelder.

"Und auch jetzt, im letzten Moment, müssen wir noch eine Nachbesserung machen und auch diese wird jetzt wieder überprüft", so der Bürgermeister. Es handele sich aber jetzt nur noch um ein paar Tage, bis der Maßnahmebescheid vorliege, "und dann können wir anfangen."

Ohne Maßnahmebescheid kein Geld vom Land

Würde die Gemeinde vor dem Bescheid Maßnahmen auf eigene Faust ergreifen, bekäme sie kein Fördergeld vom Ministerium, sagt Lehnert. Dieses Risiko will der Bürgermeister nicht eingehen, denn die Teilrenaturierung des Aschbachs und weitere begleitende Maßnahmen kosten mehrere 100.000 Euro.

"Ohne das Geld des Ministeriums wäre die Gemeinde Nalbach nicht in der Lage, eine solche Maßnahme zu stemmen. Wir rechnen hier mit einer Summe an die 400.000 Euro - mindestens." Der Eigenanteil der Gemeinde liege über 110.000 Euro. Das sei viel Geld für Nalbach, das ein zugesagtes Investionsvolumen von 500.000 Euro im Jahr habe. "Da kann man nicht sagen, die Gemeinde macht nichts", so Lehnert.

Die Anwohner des Keltenwegs sehen diese Argumentation skeptisch. Sie fürchten, dass der Aschbach wieder zum reißenden Strom werden könnte, noch bevor die Schutzmaßnahmen getroffen sind.


Mehr zum Thema


Video [aktueller bericht, 11.08.2021, Länge: 3:08 Min.]
Streit um Hochwasserschutz in Piesbach
In Piesbach sind einige Anwohner besorgt, dass es aufgrund der Klimakrise auch in ihrem Ort wieder zu Hochwasser kommen könnte, wie 2018. Damals schwoll der kleine Aschbach wegen Starkregen bedrohlich an und ließ Keller volllaufen. Seitdem sei aber in Sachen Hochwasser nichts passiert, so die Anwohner.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 12.08.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja