Hundewelpe (Foto: Insa Kohler/dpa)

Auch Haustiere leiden unter Corona-Krise

Julia Becker / Onlinefassung: Axel Wagner   16.06.2020 | 11:39 Uhr

Die letzten paar Monate haben unser Leben verändert: Jeder war irgendwie beeinflusst von der Corona-Pandemie. Auch unsere lieben Vierbeiner haben damit so ihren „Huddel“.

So langsam normalisiert sich unser Alltag wieder – auch für unsere Haustiere. Wir sind nicht mehr so lange und viel zu Hause, und es besteht auch wieder die Möglichkeit, seine Freizeit anders zu nutzen als durch Gassigehen. Die Folgen des Lockdowns, bemerkt Tierärztin Astrid Bernadi aber jetzt in ihrer Praxis in Dillingen.

Vor allem ältere Hunde überfordert

Auch Haustiere leiden unter Corona-Krise
Audio [SR 3, Julia Becker, 16.06.2020, Länge: 05:34 Min.]
Auch Haustiere leiden unter Corona-Krise

Vor allem mit älteren, eher gemütlichen Hunden gab es Probleme. „Die mussten dann plötzlich dreimal am Tag spazieren gehen“, so Bernardi. „Da gab es dann tatsächlich auch welche, die orthopädische Probleme bekommen haben, wo man dann wirklich einschreiten musste.“

Man sollte die Bedürfnisse und Gewohnheiten seines Tieres nicht einfach verändern. „Man kann halt auch einen Hund, der keine Kondition hat, selbst bei jungen Hunden, nicht von heute auf morgen darauf drillen, dass der jeden Tag 20 Kilometer läuft.“ Das müsse, so Bernardi, langsam aufgebaut werden. „Wenn er dann jeden Tag statt einmal eine Stunde dreimal eine Stunde spazieren gegangen ist, vielleicht noch mit drei verschiedenen Leuten, dann war das manchmal einfach ein bisschen zu viel.“

Katzen sind genervt

Auch Katzen haben so ihre Probleme mit Home Office und „Bleibt zu Hause“, weiß die Tierärztin. „Katzen sind ja sehr eigene Charaktere. Die haben dann schon mal ihren Herrchen und Frauchen klargemacht: Boah, Du nervst. Die pinkeln dann irgendwo hin, oder dann kriegt man mal eine gewischt aus dem Hinterhalt.“ Das zeige: Die Katze ist von dem neuen Tagesablauf genervt.

Wer also glaubt, für das liebe Vieh habe sich nichts geändert, irrt. „Die sind natürlich nicht böse, wenn man sich mit ihnen beschäftigt“, so Bernardi. „Aber wenn plötzlich der Tagesablauf von jetzt auf gleich völlig anders ist, und das nicht nur einen Tag, sondern jeden Tag, dann ist manche Katze schon genervt. Man sagt nicht umsonst ‚Gewohnheitstier‘.“

Keine Ansteckung vom Haustier

Im März noch herrschte große Unsicherheit rund um das Thema Corona. Jetzt weiß man zwar immer noch nicht besonders viel über das neuartige Virus. Aber zumindest scheint klar zu sein, dass sich der Mensch nicht bei Hund und Katze anstecken kann.

Zwar gibt es auch im Tierreich das Coronaviren, insbesondere bei Katzen. „Aber das sind normalerweise absolut artspezifische Viren“, so Tierärztin Astrid Bernardi. So sei das eigentlich auch mit Covid-19. „Es ist wohl auch schon mal bei vereinzelten Katzen nachgewiesen worden. Aber die Übertragung über Hund oder Katze spielt keine Rolle, auch wenn das theoretisch möglich ist.“ Der Umgang mit Hunden und Katzen sei nicht gefährlich, so die Tierärztin. „Man kann mit seinem Haustier ganz beruhigt zusammenleben ohne Angst haben zu müssen.“

Hunde können Virus nicht riechen

Auch dass Hunde das Coronavirus riechen können, ist ein Gerücht. „Es gibt zwar Hunde, die zum Beispiel Diabetiker oder Tumorzellen riechen können. Aber beim Virus halte ich das für ein Gerücht.“ Die winzigen Viren, so Bernardi, „brauchen lebende Zellen, um sich überhaupt entwickeln zu können, und sie geben selbst keinen Geruch ab.“ Daher könnten Hunde sie, anders als Bakterien, nicht riechen.

Erschwerte Kommunikation

Allerdings verlassen Tiere sich sehr stark auf ihr Gespür, und sie kommunizieren mit ihren Menschen viel über Gestik und Mimik. Deswegen sind die Mund- und Nasenschutzmasken bei Herrchen und Frauchen oft ein Problem. „Die Tiere sind irritiert, weil sie die Mimik des Besitzers nicht mehr so gut ablesen können. Manchmal ist das positiv. Dann ist der Hund entspannter, weil er nicht mehr merkt, wie aufgeregt sein Herrchen ist. Aber manchmal ist es auch negativ, weil man nicht so richtig Einfluss auf das Tier nehmen kann. Und das ist nicht zu unterschätzen.“

Aber immerhin scheinen die Tierbesitzer etwas gelassener zu sein in der Krise, so die Erfahrung der Tierärztin. Dadurch, dass man nicht unangemeldet in der Praxis auftauchen darf, sondern einen Termin vereinbaren soll, solange es nicht um einen Notfall geht, können viele Kleinigkeiten schon am Telefon geklärt werden. „Ich habe prinzipiell die Erfahrung gemacht, dass die meisten Leute sehr verständnisvoll waren und dass die Kommunikation untereinander ein bisschen besser geworden ist“, sagt sie. „Und wenn man einfach so ein bisschen mehr Gelassenheit an den Tag legt, dann kommt man damit klar.“

Über dieses Thema haben auch die „Bunten Funkminuten“ vom 16.06.2020 berichtet.

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