Hände waschen (Foto: dpa)

Wenn die Hände zu sauber sind

Christian Ignatzi   15.10.2018 | 08:07 Uhr

Heute ist Internationaler Hände-Waschtag. Es geht darum, die Menschen immer wieder aufs neue daran zu erinnern, dass Händewaschen wichtig ist. Vor allem Kindergärten, Altersheime und Krankenhäuser sind bei der Aktion im Fokus. Aber kann man es mit dem Händewaschen auch übertreiben?

Wasser Marsch, die Hände drunter, schön einseifen, abtrocknen – fertig. Händewaschen ist gar nicht schwer. Nicht unter einer halben Minute sollte es dauern, ist die Empfehlung. Aber gibt es tatsächlich eine empfohlene Mindestzeit? Nein, sagt der Saarbrücker Arzt Eckardt Rolshoven: "Das gibt es eigentlich nicht bei der Seife. Das gibt es natürlich, wenn jemand in der Chirurgie sich wäscht. Da wird dann etwa eine Viertelstunde gewaschen und dann mit Desinfektionsmitteln nachbehandelt. Die wirken alle sehr schnell. Also wenn man sowas benutzt, muss man benetzt sein und das wirkt dann sehr schnell und tötet die Bakterien ab."

Normales Händewaschen reicht

Eine chirurgische Hygiene ist im Alltag also nicht nötig. Rolshoven: "Das normale Händewaschen mit einer ordentlichen Seife reduziert die Keimzahl ganz erheblich. Da bleibt dann ein Rest da, das ist nicht vergleichbar mit ner Desinfektion. Aber es ist eine erhebliche Reduktion der Keimzahl und damit reduzieren Sie auch die Ansteckungsgefährlichkeit."

Zu viel Hygiene ist schädlich

Dass die Chirurgen im Krankenhaus Desinfektionsmittel benutzen, beseitigt auch die letzten Bakterien und sorgt für eine klinisch sterile Operation. Beim Händewaschen nach dem Toilettengang ist das nicht nötig. Zu viel Hygiene kann sogar das Gegenteil bewirken und schädlich sein, warnt Eckardt Rolshoven. "Man kann es durchaus übertreiben. Es gibt ja Leute, die haben einen Waschzwang oder Ähnliches. Die machen sich dabei wirklich die Haut kaputt."

Wenn die Hände zu sauber sind
Audio [SR 3, (c) SR Chris Ignatzi , 15.10.2018, Länge: 03:57 Min.]
Wenn die Hände zu sauber sind

Bis zu 200 Mal am Tag waschen sich manche Menschen die Hände, wenn sie einen Waschzwang haben. Das zerstört den natürlichen Schutzfilm der Haut. Die modernen Hygienebestimmungen erhöhen sogar die Gefahr, zu viel des Guten zu wollen, sagt Eckardt Rolshoven: "Es gibt eine Tendenz, alles zu desinfizieren. Leute, die sagen, ich muss an allen Stellen meines Körpers steril sein, machen sicher einen Fehler. Es geht hier wirklich nur die Hände. Füße waschen und ähnlich, das macht jeder ganz normal aber wenn man den Anspruch hätte, man würde den Körper äußerlich keimfrei machen, dann wäre das eher krankhaft.

Keime gehören also zum Leben dazu. Wer es mit der Hygiene nicht übertreibt, kommt auch mit normalem Händewaschen gesund durch den Herbst.

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