Trinkwasser (Foto: pixabay (CC0))

Grundwasserförderung in Kleinblittersdorf soll ausgeweitet werden

Elena Jörger mit Informationen von Nadine Irmer   07.09.2022 | 15:38 Uhr

Darf man in Zeiten des Klimawandels immer mehr Grundwasser fördern lassen? Sprich Grundwasser an Firmen zu verkaufen, damit diese das Endprodukt Mineralwasser verkaufen können. Darüber wird derzeit in Kleinblittersdorf diskutiert. Hier fördert die französische Firma Roxane GmbH zurzeit bis zu 90.000 Kubikmeter pro Jahr und möchte das jetzt erhöhen.

Viele Gemeinden im Saarland haben mit den Auswirkungen des Klimawandels zu kämpfen. Der sehr trockene Sommer hat auch in Kleinblittersdorf seine Spuren hinterlassen. Bürgermeister Rainer Lang macht sich Sorgen wegen einer möglichen Wasserknappheit. "Wir wollen sehr sorgsam mit unseren Grundwasserressourcen umgehen, und das heißt für mich, nicht nur jetzt, wo augenscheinlich genug Grundwasser vorhanden ist, sondern auch in dreißig, vierzig und fünfzig Jahren", betont er.

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"Wir wollen sehr sorgsam mit unseren Grundwasserressourcen umgehen"
Audio [SR 3, Dorothee Scharner/ Nadine Irmer, 07.09.2022, Länge: 03:42 Min.]
"Wir wollen sehr sorgsam mit unseren Grundwasserressourcen umgehen"

Grundwasserverteilung

Das Umweltministerium "verteilt" in den Gemeinden im Saarland das Grundwasser. In der Gemeinde Kleinblittersdorf dürfen 700.000 Kubikmeter vom Grundwasser entnommen werden. Davon benötigt die Gemeinde selbst den größten Teil, um Privathaushalte und ihr Gewerbe zu speisen. Die französische Firma Roxane hat ihren Sitz in der saarländischen Gemeinde und erhält bis zu 90.000 Kubikmeter pro Jahr, um das Grundwasser in Flaschen abzufüllen und es als Mineralwasser zu verkaufen. Das sehen viele Gemeindemitglieder sehr kritisch.

Anfrage nach mehr Grundwasser

Im Februar 2021 beantragte die Roxane GmbH beim saarländischen Umweltministerium die Erweiterung dieser Erlaubnis auf zunächst 200.000 Kubikmeter – und deutete an, später unter Umständen eine Erweiterung auf 400.000 Kubikmeter beantragen zu wollen.

Grundwasser-Streit

Die Anfrage führt zu großen Unstimmigkeiten. Der Kleinblittersdorfer Bürgermeister macht deutlich: "Die Anfrage erscheint mir nicht in einem geraden Verhältnis zu unserem Grundwasseranteil zu stehen." Daher appelliert Bürgermeister Lang an das saarländische Umweltministerium, alle Gutachten genau zu prüfen, bevor dem Mineralwasserhersteller Roxane eine Genehmigung erteilt wird.

Ein sogenanntes Coping-Verfahren und eine anschließende Umweltverträglichkeitsprüfung soll zur Klärung beitragen. Das Verfahren legt den Umfang fest, inwieweit diese Umweltverträglichkeitsprüfung letztendlich geführt wird. Ein Gutachten soll Klarheit in die Sache bringen. Bürgermeister Lang betont: "So lange nicht die letzten Fragen, auch unsererseits, beantwortet ist, muss dieses Gutachten erweitert werden."

Weitere Stimmen dagegen

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hält die ganze Überlegung für nicht zeitgemäß. Michael Grittmann ist stellvertretender Vorsitzender im Saarland. Er sieht keinen Sinn darin, große Mengen Grundwasser zu fördern, um sie dann in Flaschen abzufüllen und als Trinkwasser zu verkaufen - besonders nach dem Bewerben von Leitungswasser als Trinkwasser, so Grittmann. Dazu kommt, dass in Zeiten des Klimawandels befürchtet werden muss, dass die Grundwasserneubildungsrate zurückgeht. "Dazu fehlten aber aktuelle Studien", betont Michael Grittmann.

Ministerium gibt Entwarnung

Grundsätzlich werde jede Wasserentnahme im Einzelfall geprüft und wasserrechtliche Zulassungen nur bei berechtigtem Interesse und Verträglichkeit erteilt, versichert das Ministerium. Der Erhalt unseres Grundwassers solle geschützt werden, das stehe fest.

Ein Thema in der Sendung "Region am Nachmittag" vom 07.09.2022.

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