Ein Kind sitzt mit dem Kopf in die Hände gestützt vor Schulaufgaben (Foto: picture alliance/dpa/Europa Press | Eduardo Parra)

"Wir fordern eine reguläre Beschulung"

Ein Interview mit Sascha Hilgert, einem betroffenen Elternteil   08.12.2022 | 17:23 Uhr

Die Grundschule Bübingen/Güdingen kämpft seit längerem mit Lehrermangel. Die Eltern sind verärgert und haben einen Brandbrief an das saarländische Bildungsministerium geschickt. Das Ministerium spricht von einer "Ausnahmesituation". Die Eltern widersprechen. Über die Zustände an der Schule berichtet ein betroffener Vater.

Bereits vor den Herbstferien machten betroffene Eltern der Grundschule in Bübingen auf den Lehrermangel aufmerksam. Aus Krankheitsgründen wurden immer wieder Klassen zusammengelegt. Auf Nachfrage des SR antwortete das zuständige Bildungsministerium damals, dass es sich dabei nur um eine temporäre Situation handle, die sich zeitnah lösen werde. Doch die Situation hat sich bis in den Dezember nicht entspannt. Die Eltern, darunter Sascha Hilgert, sind dementsprechend verärgert.

Schüler in verschiedene Klassen aufgeteilt

Sascha Hilgerts Tochter geht in die zweite Klasse der Grundschule Bübingen/Güdingen. Dort ist erneut Homeschooling angeordnet worden, denn der Ausfall mehrerer Lehrkräfte gleichzeitig lässt einen Präsenzunterricht nicht mehr zu. Die Schule kann nur noch eine Betreuung vor Ort gewährleisten, aber keinen Unterricht.

Weil viele Eltern aber arbeiten und sich kurz vor Weihnachten nicht mehr frei nehmen können, müssen trotzdem einige Kinder in die Schule geschickt werden. Laut Hilgert bearbeiten die Kinder dort Arbeitsblätter. Dabei seien sie in unterschiedliche Klassen aufgeteilt. Dies sei aber nicht nur aktuell an der Schule der Fall, sondern immer dann, wenn ein Lehrer ausfalle.

Aus dem Brandbrief der Eltern geht hervor, dass die Kinder jedes Mal wenn ihre Lehrkraft ausfällt auf mehrere Klassen - auch höhere Klassenstufen - verteilt werden und dort selbständig ihre eigenen Arbeitsblätter bearbeiten sollen während die dortige Lehrkraft eine andere Klasse unterrichtet.

Audio

Eltern verärgert über Lehrkräftemangel in Bübingen
Audio [SR 3, Interview: Simin Sadeghi / Sascha Hilgert, 08.12.2022, Länge: 04:06 Min.]
Eltern verärgert über Lehrkräftemangel in Bübingen

Überlegungen der Zurückstufung

Laut Hilgert seien bereits kurz nach den Sommerferien die ersten Lehrer ausgefallen. Die ständige Aufteilung auf andere Klassen und das selbständige Arbeiten in fremden Klassen hätten viele Kinder überfordert. Nach Angaben des Familienvaters gebe es deshalb Elternteile, die über eine Zurückstufung ihrer Kinder nachdenken, weil diese nicht mehr mit dem Lehrstoff zurechtkommen. Die Eltern fordern daher, dass ihre "Kinder das bekommen, was ihnen zusteht" - nämlich ein regulärer Unterricht.

Kein kurzfristiger Zustand

Für Hilgert ist der Lehrermangel an der Grundschule in Bübingen kein kurzfristiger Zustand, wie es das Bildungsministerium beschreibt. "Diese Form des Nicht-Unterrichts ist in der Schule seit Anfang des Schuljahres Gang und Gäbe", so Hilgert. Für den Familienvater nicht hinnehmbar, da bereits die gesamte Schule betroffen sei.

Spürbare Folgen für die Kinder

Die Folgen des Lehrermangels seien bei den Kindern spürbar, so Hilgert. Die fehlende Konstante und Unsicherheit habe zur Folge, dass die Kinder nicht mehr gerne zur Schule gehen würden. Hinzu komme, so der betroffene Vater, dass bei den Kinder bereits extreme Wissenslücken vorherrschten.

Ein Thema in der Sendung "Region am Nachmittag" am 08.12.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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