Die luxemburgischen Großherzogen Henri und Maria Teresa (Foto: picture alliance/Harald Tittel/dpa)

"Möglich, dass der Großherzog zurücktritt"

Kolleginnengespräch: Nadine Thielen / Patricia Brever   29.01.2020 | 11:24 Uhr

In Luxemburg hängt der Haussegen schief. Großherzogin Maria Teresa steht in der Kritik wegen eines ziemlich häufigen und meist plötzlichen Personalwechsels am Hof. Das Personal wird vom Luxemburgischen Steuerzahler mit 11 Millionen Euro bezahlt.

Buchcover zum Großherzogtum Luxemburg.
Audio [SR 3, Kolleginnengespräch: Nadine Thielen / Patricia Brever, 29.01.2020, Länge: 04:02 Min.]
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Anlass ist der so genannte "Waringo-Bericht" über die Personalpolitik und das Finanzgebaren am Hof, den Luxemburgs Premierminister Xavier Bettel im Sommer vergangenen Jahres in Auftrag gegeben hatte. Benannt ist der Bericht nach dem Finanzbeamten, der die Vorfälle untersucht. Er soll nächsten Monat veröffentlicht werden. Großherzog Henri hat aber schon mal vorsorglich seine Frau in Schutz genommen. In einem am Montag veröffentlichten offenen Brief verwahrte er sich gegen "unfaire Beschuldigungen", unter denen die ganze Familie leide.

Nach Einschätzung der luxemburgischen SR-Redakteurin Patricia Brever ist es ungewöhnlich, dass der Großherzog sich überhaupt öffentlich äußert; dann auch noch in vier Sprachen; zudem auf Twitter, Instagram, Facebook und auch noch eine Pressemitteilung an die Medien schickt.

Dieser Schritt an die Öffentlichkeit wird unterschiedlich interpretiert, so Brever. Die einen sagten, Henri habe ja nur seine Frau verteidigt, die andern finden, das dürfe er gar nicht in seiner Funktion als Großherzog. So etwas müsse von einem Minister gegengezeichnet werden.

Nach Ansicht der Journalistin Brever ist das ein Zeichen, dass Henri Angst habe. Er reagiere sehr emotional auf etwas, das ja den Luxemburgern noch gar nicht bekannt sei. Zum Beispiel betone er, dass die Großherzogin sich nicht verteidigen könne. Das stimme nicht, meint Brever, die Medien hätten um eine Stellungnahme gebeten, aber keine bekommen.

Ein Ende der Monarchie sieht Brever nicht, einen Rücktritt von Großherzog Henri hält sie aber nicht für ausgeschlossen.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Mittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 29.01.2020 berichtet.

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