Grabungsfund bei Breitfurt (Foto: SR/Patrick Wiermer)

Grabungsfund in Breitfurt: Tempel oder Schafstall?

Patrick Wiermer   09.12.2020 | 09:13 Uhr

Das Saarland ist reich an arachäologischen Funden aus der Kelten- und Römerzeit. Im Bliesgau wurde nun eine weitere spektakuläre Entdeckung gemacht: Bei Breitfurt, südlich von Blieskastel, hat ein Team aus professionellen und Hobbyarchäologen Reste aus der Römerzeit gefunden.

Grabungsfund in Breitfurt - Tempel oder Schafstall?
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 09.12.2020, Länge: 03:04 Min.]
Grabungsfund in Breitfurt - Tempel oder Schafstall?

Michael Ecker ist Grabungsleiter im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim. Auf dem Kahlenberg bei Breitfurt haben er und sein Team in der Mardelle, einer kleinen Mulde im Wald, eine Kante gefunden, die sich klar vom übrigen Waldboden abzeichnet. Außerdem römische Zeigel, römische Keramik oder etwa Schuhnägel.

Auch für Constanze Höpken vom Landesdenkmalamt ist das ein außergewöhnlicher Fund. Die Stelle, so sagt ist, ist exponiert, einer der höchsten Stellen in der Region. Von ihrer Erfahrung als Archäologin sagt sie, hätten sich die Römer auf einer solchen Kuppe nicht angesiedelt: zu zugig, zu wenig Wasser. Deswegen seien sie erstaunt gewesen, hier römische Reste zu finden.

Außergewöhnliche Lage

Erste Spuren wurden bereits vor 20 Jahren gefunden: Ein großer, quadratischer Sandstein mit deutlichen Meißelspuren. Der musste irgendwann von irgendwem angeschleppt worden sein. Aud einem Luftbild wurde dann eine weitere quadratische Struktur mit einer Kantenlänge von sechs bis sieben Metern entdeckt, wahrscheinlich ein Gebäude. Vielleicht Viehwirtschaft? Neue Erkenntnisse sollte eine neue Grabung im Sommer liefern.

Das Besondere: Ein Verein für "Erlebnis-Archäologie" aus Österreich organiserte die Grabung. Die Teilnehmer waren allesamt Laien, die für ein paar Hundert Euro ihren Sommerurlaub in der Bliesgau-Erde verbringen wollten. Die Hobby-Archäologen haben unter anderem eine gut erhaltene Mauer freigelegt, etwa einen halben Meter hoch und breit. Offenbar handelt es sich um Reste eines recht großen Gebäudes, das wohl aus nur einem Raum bestand. Das spricht gegen die Theorie vom Wohnhaus eines Römers.

Im Sommer geht's weiter

Die Theorie heißt jetzt: ein Schafstall oder vielleicht sogar ein Heiligtum, das auf einer exponierten Lage angelegt worden war. Verehrten hier die Bauern ihre Götter? Es ist ein großes Fragezeichen, denn, auch das ist außergewöhnlich, bis auf Steine und ein paar Scherben wurde kaum etwas gefunden. Vor allem keine Reste von Opfergaben, etwa Münzen oder Fibeln.

Die Fundstelle geht jetzt erstmal in den Winterschlaf. Die Gruben werden in den nächsten Tagen wieder zugeschüttet, um sie vor der Witterung und vor möglichen Raubgräbern zu schützen. Im nächsten Sommer kommen die Archäologen und auch Hobby-Gräber aber wieder.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Guten Morgen" auf SR 3 Saarlandwelle am 09.12.2020 berichtet.

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