Gesundheitsämter im Corona-Fall-Management (Foto: SR)

Gesundheitsämter am Limit

Lisa Krauser / Steffani Balle   09.11.2020 | 06:28 Uhr

"Die Gesundheitsämter kommen nicht mehr hinterher!" Das ist seit der zweiten Welle immer wieder zu hören. Mittlerweile liegen die Infektionszahlen deutlich höher als die im Frühjahr. SR-Reporterin Lisa Krauser hat bei den Gesundheitsämtern in Neunkirchen und der Außenstelle Ottweiler nachgefragt, wo die Probleme liegen.

Wie läuft die Kontaktnachverfolgung?
Audio [SR 3, Lisa Krauser, 09.11.2020, Länge: 04:19 Min.]
Wie läuft die Kontaktnachverfolgung?

Kontaktnachverfolgung - das ist ein wichtiger Pfeiler in der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Zuständig sind dafür auch bei uns im Saarland die Gesundheitsämter und die haben in den vergangenen Wochen ihr Personal dafür erheblich aufgestockt. Mittlerweile arbeiten fast 600 Menschen an der Kontaktnachverfolgung mit.

In Neunkirchen, wo Anfang Oktober noch gar keine zusätzlichen Unterstützer für die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes im Einsatz waren, sind mittlerweile 90 Personen, speziell für die Kontaktnachverfolgung im Einsatz. In Saarlouis sind es 82, im Regionalverband 116. Der Saarpfalz- Kreis telefoniert, recherchiert und kontrolliert mit 99 Personen, St.Wendel und Merzig-Wadern mit je rund 85.

Personal fast vervierfacht

Corona-Kontaktnachverfolgung
Gesundheitsämter mit deutlich mehr Personal
Die Gesundheitsämter im Land haben ihr Personal zur Kontaktnachverfolgung in den vergangenen Wochen erheblich aufgestockt. Mittlerweile sind fast 600 Menschen damit befasst.

Die zusätzlichen Kräfte sind in allen Kreisen Verwaltungsangestellte, die aus anderen Abteilungen abgezogen wurden und Angehörige der Bundeswehr. In einigen Landkreisen kommen diese Woche noch zusätzliche Soldaten dazu. Der Regionalverband beschäftigt zusätzlich studentische Hilfskräfte und einen so genannten Containment- Scout, der vom Robert- Koch- Institut geschult worden ist.

Die rund hundert Mitarbeiter der Verwaltungen, die vor einem Monat noch auf Abruf bereit standen, sind mittlerweile alle zur Kontaktnachverfolgung herangezogen worden. Die Zahl der Personen, die mit der Unterbrechung der Infektionsketten im Saarland befasst sind, hat sich seit Anfang Oktober damit fast vervierfacht.

Manche reagieren aggressiv

In der neu geschaffenen Außenstelle des Neunkircher Gesundheitsamtes, in Ottweiler versuchen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gespräch zu klären, wie die Übertragung passiert sein kann. Wenn die betroffenen Personen ermittelt sind, müssen sie in der Regel in Quarantäne.

Immer häufiger passiert es, dass sie das nicht aktzeptieren, ja sogar aggressiv werden und die Mitarbeiter anschreien. Das kostet wertvolle Zeit. Obwohl mitterweile viele externe Helfer kommen sie kaum hinterher. Denn: auf einen positiven Fall kommen deutlich mehr Kontakte als im Frühjahr während des stikten Lockdowns. Beim Gesundheitsamt Neunkirchen sind es im Schnitt zehn. Angerufen werden deshalb nur noch Kontaktpersonen der Kategorie 1, bei denen ein erhöhtes Ansteckungsrisiko besteht.

Mehr Zeit nötig als im Frühjahr

Die anderen Kontaktpersonen werden aber trotzdem erhoben. Das wird ins System eingetragen, damit die Verknüpfung erkennbar ist. Die Kontatpersonen der Kategorie 1 werden angewiesen, sich testen zu lassen. Auch das kostet wieder Zeit. Genau wie Anrufe, die immer wieder ins Leere laufen. Deshalb kommt es auch mal vor, dass die Mitarbeiter ihre Mittagessen vorm Computer einnehmen. Das sei aber ok, so einer von ihnen, genau wie die Überstunden. Es gebe ein gutes Gefühl, dazu beizutragen, diese außergewöhnliche Situation unter Kontrolle zu bekommen.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Guten Morgen" auf SR 3 Saarlandwelle am 09.11.2020 berichtet.

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