Ärztliche Untersuchung (Foto: dpa)

Gendermedizin: Was fehlt, wenn Frauen nicht mitmischen?

mit Informationen von Steffani Balle   31.05.2022 | 13:52 Uhr

Frauen und Männer ticken unterschiedlich - und das auch ganz weit weg von Vorurteilen: Der Stoffwechsel funktioniert unterschiedlich und auch bei Erkrankungen kann es ganz andere Symptome geben - zum Beispiel beim Herzinfarkt. In der Medizin wurde das lange vernachlässigt, doch mittlerweile ändert sich das - dank der Gendermedizin. Eine Disziplin, die seit rund 50 Jahren verfolgt wird - und ganz allmählich Anerkennung findet.

Schweißausbrüche, Druck im Brustraum, Schmerzen, die in den linken Arm ziehen und ein Gefühl von Todesangst - die 'klassischen' Symptome eines Herzinfarktes - denken wohl die meisten. Und das stimmt auch - jedenfalls für Männer.

Gendermedizin: Was fehlt, wenn Frauen nicht mitmischen?
Audio [SR 3, Steffani Balle, 31.05.2022, Länge: 03:03 Min.]
Gendermedizin: Was fehlt, wenn Frauen nicht mitmischen?
Warum es auch in der Medizin sinnvoll ist, alle Geschlechter mit an Bord zu haben.

Bei Frauen sieht das anders aus. Ein weiblicher Herzinfarkt äußert sich eher durch Übelkeit, Erbrechen, Rückenschmerzen und Schmerzen oder Druckgefühl in der Magengegend. Das erschwert das Erkennen und letztendlich auch die Diagnose.

Und es komme leider immer noch zu häufig vor, dass Frauen mit einem Herzinfarkt viel zu spät einen Arzt aufsuchten, sagt Professorin Ingrid Kindermann, Leiterin der Herzinsuffizienzambulanz am Uniklinikum Homburg. Die Folgen seien irreparable Schäden mit dauerhafter Herzschwäche.

Broken-Heart Syndrom

Das Broken-Heart-Syndrom
Wenn einem das Herz bricht
Ein gebrochenes Herz – das gibt es nicht nur in Liedern, Büchern und Filmen. Ein gebrochens Herz ist tatsächlich eine Krankheit: das Broken-Heart-Syndrom.

Kommen Frauen hingegen mit den "klassischen" Herzinfarktsymptomen in die Klinik, findet man oft keine Verengung der Herzgefäße, was auf einen Herzinfakt deuten würde, sondern eine Veränderung in der Pumpfunktion. Dieses Krankheitsbild nennt sich "Broken-Heart-Syndrom" und betrifft überwiegend Frauen nach seelischem oder psychischem Stress.

Mehr Frauen sollten an medizinischen Studien teilnehmen

Das Syndrom ist gut zu behandeln, es sei generell aber trotzdem leichter, Behandlungsmethoden zu finden, wenn mehr Frauen an klinischen Studien teilnehmen würden, sagt Professor Kindermann. Das sei sehr wichtig, denn Größe, Gewicht, Verteilungsvolumen und Hormonstatus spielen eine wichtige Rolle bei der Einnahme von Medikamenten.

Das Geschlecht wird mittlerweile immer häufiger bei der Behandlung berücksichtigt, verlässliche Zahlen über die Wirksamkeit der Gendermedizin liegen allerdings noch nicht vor. Spezialisierte Zentren wie die Berliner Charité forschen aber weiter.

Ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" am 31.05.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.


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