Ein gesprengter Geldautomat im Merzig (Foto: SR)

Wie können sich Banken gegen Anschläge schützen?

mit Informationen von Ludger Kazmierczak   15.02.2019 | 15:58 Uhr

Schon seit Jahren gibt es immer wieder Anschläge auf Geldautomaten - zuletzt auch vermehrt im Saarland. Die Frage ist: Wie können sich Banken dagegen schützen? Dazu im SR-Interview: die Sparkassen-Verbandspräsidentin Cornelia Hoffmann-Bethscheider und ein Blick zu den niederländischen Nachbarn, bei denen es schon vor Jahren ganze Anschlagsserien gab.

Audio

Interview: "Allein durch technische Maßnahmen werden Überfälle nicht vermieden werden können"
Audio [SR 3, Interview: Dorothee Scharner/Cornelia Hoffmann-Bethscheider , 15.02.2019, Länge: 02:38 Min.]
Interview: "Allein durch technische Maßnahmen werden Überfälle nicht vermieden werden können"

Wie können sich die Banken gegen die Anschläge auf ihre Geldautomaten schützen? Es habe vor einigen Jahren schon mal eine solche Anschlagswelle gegeben, sagt die Sparkassen-Verbandspräsidentin Cornelia Hoffmann-Bethscheider im SR-Interview. Daraufhin habe es in allen Sparkassen eine Gefährdungsanalyse gegeben und es wurden entsprechende Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Anschläge werde man das Sicherheitskonzept nochmals überprüfen und ggf. nachrüsten. Doch Technik allein werde das Problem nicht lösen, sagt Hoffmann-Bethscheider. Eine entsprechende Polizeipräsenz vor Ort sei ebenfalls wichtig.

„Natürlich ist die Polizei dort auch in der Vergangenheit nicht tatenlos gewesen“, entgegnet Saarbrückens Polizeipressesprecher Georg Himbert. Man habe angesichts der Vorfälle in jüngster Zeit ein neues Konzept aufgelegt und die Fahndungsmaßnahmen entsprechend koordiniert. Aber: „Dass wir uns dort an bestimmten Geldautomaten aufstellen und die bewachen, ist überhaupt nicht denkbar. Das müsste sich dann der Betreiber der Automaten, sprich: die Banken, durch private Sicherheitsdienste gewährleisten lassen. Die Polizei hat noch ganz andere Aufgaben als diese.“

Wie machen's die niederländischen Nachbarn?

Auch in den Niederlanden gab es jahrelang ganze Serien von Geldautomaten-Anschlägen und Sprengungen. Doch inzwischen sind diese deutlich zurückgegangen. 2016 wurden in den Niederlanden noch fast 80 Geldautomaten gesprengt, 2018 waren es nur noch 14.

Die Banken haben bei ihren Sicherheitsmaßnahmen ordentlich nachgelegt. Eine Bank sichert ihre Geldautomaten, die an Hausfassaden angebracht sind, über Nacht mit schweren Stahlplatten, andere Banken setzen auf Farbpatronen oder Spezialkleber, die das Geld unbrauchbar machen. Oder sie arbeiten mit einer Technik, die einströmendes Gas in einem Automaten neutralisiert, so dass es gar nicht zu einer Explosion kommen kann. Auch Nebelmaschinen kommen in einigen Banken zum Einsatz. Sie reagieren über Bewegungsmelder und vernebeln bei einem Einbruch innerhalb von Sekunden die Räume so stark, dass keine Chance mehr besteht, etwas zu sehen. Und es gibt noch die Variante, dass die Geldautomaten an sich leer sind. Das Geld wird mit einer Art Rohrpostsystem nur bei Bedarf nachgeschoben.

Hinzu kommt, dass viele Kreditinstitute ihr Automatensystem deutlich ausgedünnt haben. Das enspricht auch dem Trend bei unserem Nachbarn, denn in den Niederlanden wird immer weniger mit Bargeld gezahlt.


Hintergrund


Berus und Hasborn
Versuchte Automatensprengungen
In der Nacht zum 15. Februar gab es erst in Hasborn den Versuch, einen Geldautomaten zu sprengen, in den frühen Morgenstunden gab es dann einen Anschlag auf einen Geldautomaten in Berus. Ob es die gleichen Täter waren, ist bislang noch unklar.

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Mittag" am 15.02.2019 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

Artikel mit anderen teilen