Zerstörungen im Raum der Karten-Baracke im Führerhauptquartier Rastenburg, 20. Juli 1944 (Foto: dpa / picture alliance / Hoffmann)

Erinnerungen an den 20. Juli 1944?

Carolin Dylla / Onlinefassung: Raphael Klein   20.07.2018 | 13:30 Uhr

Der 20. Juli 1944 ist als der Tag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler durch eine Gruppe um Claus Graf Schenk von Stauffenberg in die Geschichte eingegangen. Das Datum steht damit als Symbol für den militärischen Widerstand gegen das NS-Regime. Und doch sind solche Gedenktage im öffentlichen Bewusstsein oft wenig präsent. Warum eigentlich? SR 2-Reporterin Carolin Dylla hat bei Historikern und Passanten nach Erklärungsansätzen gesucht.

Erinnerungen an den 20. Juli 1944?
Audio [SR 3, Carolin Dylla, 20.07.2018, Länge: 03:50 Min.]
Erinnerungen an den 20. Juli 1944?

Mit dem 20. Juli als Gedenktag hat sich die Bundesrepublik lange schwer getan, denn bis in die 60er Jahre hinein wurde die Gruppe um Stauffenberg von einem Teil der Bürger als "Vaterlandsverräter“ gesehen. Dass der 20. Juli heute als Ausdruck des Widerstands gegen den Faschismus gelte, sei das Ergebnis langer politischer Überzeugungsarbeit und drücke ein neues Selbstverständnis der Bundesrepublik aus, sagt die Historikerin Gabriele Clemens von der Universität des Saarlandes: Mit solchen Gedenktagen, so Clemens, vergewissere man sich seines eigenen politischen Systems, der Demokratie also.

"Dafür sorgen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt"

Die Gruppe um Claus Graf Schenk von Stauffenberg gilt heute als Vorbild. Völlig unproblematisch ist das nicht, denn Stauffenberg war kein überzeugter Demokrat. Generell habe es in der Weimarer Republik viel zu wenig aufrechte Republikaner gegeben, sagt Gabriele Clemens – eine Tatsache, die auch bei der Diskussion von Gedenktagen wie dem 20. Juli beachtet werden müsse. Trotzdem wachse die Bedeutung solcher Tage wieder: In Zeiten wie heute, da rechtes Vokabular politisch wieder salonfähig werde, müsse man sich in der politischen Diskussion den Anfängen und der Verrohung der Sprache erwehren, fordert Clemens.

Trotzdem warnt die Historikerin davor, vorschnell historische Parallelen zu ziehen. Denn vor allem die wirtschaftliche Ausgangssituation sei in den 30er Jahren eine andere gewesen als heute. Historisches Wissen ist also nur bedingt übertragbar auf die Gegenwart.

Es scheint das prägende Paradox der Erinnerungskultur zu sein, dass viele das Gedenken für wichtig und richtig halten – und die Geschichte im Alltag dennoch kaum präsent ist. Dennoch sei die Erinnerung und die Diskussion wichtig, glaubt Gabriele Clemens. Diese Diskussion müsse die gesamte Gesellschaft führen: "Man kann nicht immer aus der Geschichte lernen – aber man kann doch Entwicklungen sehen und dafür sorgen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt."

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Nachmittag " vom 20.07.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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