Ein Steingarten mit einer Tierskulptur  (Foto: Pixabay / CC0 Creative Commons)

Grau statt Grün: "Gärten des Grauens"

Patrick Wiermer / Onlinefassung: Raphael Klein   12.03.2018 | 07:00 Uhr

Der Frühling naht und da lohnt sich der Blick auf den Garten. Seit ein paar Jahren liegen Stein- und Schottergärten im Trend. Das bedeutet: viel Kies, wenig Pflanze. Genau dagegen regt sich Widerstand. Ein Botaniker aus Berlin stellt – aus seiner Sicht – besonders schlimme Stein- und Schottergärten auf einer Facebook-Seite aus. Darunter auch einige Beispiele aus dem Saarland. Er nennt sie die "Gärten des Grauens“.

Pointiert und ironisch nimmt der Berliner Botaniker Ulf Soltau die Vorgartenkultur auf seiner Facebookseite "Gärten des Grauens“ auf die Schippe. 10.000 Fans folgen bereits seinem Garten-Pranger. Sie schicken Soltau Fotos von vermeintlich besonders schlimmen Gartenexemplaren. Diese werden dann dort von Soltau veröffentlicht. Auf ihnen zu sehen: Meist graue Schotterflächen, mit – wenn überhaupt – tristem Restgrün, manchmal überbordend dekoriert mit Amphoren und Tierskulpturen.

Soltau bezeichnet solche Stein- und Schottergärten gerne auch als Aschenbecher und Steinwüsten. Für ihn sind diese Gärten ein Graus: Diese reinen Schotterflächen, die eigentlich keine Pflanzen mehr beinhalteten, erinnerten ihn an den Vorplatz der Berliner Gedenkstätte "Topographie des Terrors", sagt Soltau.

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Grau statt Grün: "Gärten des Grauens"
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 12.03.2018, Länge: 02:22 Min.]
Grau statt Grün: "Gärten des Grauens"

Mehr Wildnis wagen

Besonders schlimm für Soltau: Die Gabione. Diese mit Steinen gefüllten Stahlkäfige, die gerne als Sichtschutz verwendet werden, seien, so Soltau, ein Symbol für das Abschotten vom Nachbarn. Er hat daher eine Mission: mehr Wildnis wagen.

Es spreche überhaupt nichts dagegen, die Gärten sich selbst zu überlassen und zumindest eine Kulturbrache bestehen zu lassen, wenn man schon keine Lust auf Gärtnern habe, findet der Botaniker.

Soltau ist überzeugt, dass seine Mission ankommt. Früher hätten ihn Hauseigentümer und Gartenbauer für seine Seite verklagen wollen – nun bemerke er ein Umdenken – von Grau zu mehr Grün.

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Guten Morgen" am 12.03.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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