Lehrer schreibt im Unterricht "G8" an die Tafel (Foto: dpa)

Wie geht es weiter mit G8?

Stephan Deppen   02.08.2021 | 16:45 Uhr

Genau 20 Jahre ist es nun her, dass im Saarland G8 eingeführt wurde - die achtjährige Gymnasialzeit bis zum Abitur. Ob es ein Erfolg war, darüber gehen die Meinungen auseinander. Dass es weitere Änderungen geben wird, gilt hingegen als sicher.

Das Saarland war das erste westliche Bundesland mit G8 und wird, wenn überhaupt, als letztes zu G9 zurückkehren.

Wie geht's weiter mit G8?
Audio [SR 3, Stephan Deppen, 02.08.2021, Länge: 03:09 Min.]
Wie geht's weiter mit G8?

Fest steht: Auch die saarländische Bildungsministerin Streichert-Clivot (SPD) ist skeptisch: G8 sei keine Erfolgsgeschichte, sagt sie. Es müsse noch mal darüber geredet werden "vor dem Hintergrund der Pandemie, aber auch den Erwartungen und Herausforderungen, die wir heute an Schule stellen." Dabei dürfe es nicht nur um eine Strukturdebatte gehen, "sondern wir müssen auch dafür sorgen, dass die Schulformen, die in neun Jahren zum Abitur führen - die Gemeinschaftsschulen und die Berufschulen - auch entsprechend ausgestattet werden."

Die Position der Landeselternvertretung

Seit Jahren macht die Vorsitzende der Landeselternvertretung Gymnasien, Katja Oltmans, gegen G8 mobil. Sie führt dabei vor allem drei Argumente an: Bei einer Umfrage unter Eltern im Jahr 2019 hätten sich 85 Prozent für ein neunjähriges Gymnasium ausgesprochen. Zum zweiten seien durch den hohen Unterrichtsausfall und dem "schlecht funktionierenden Wechselunterricht" aufgrund der Coronapandemie große Lerndefizite entstanden. Und ein weiteres Argument sei die Einführung der Informatik als eigenes Schulfach.

Die Position des Philologenverbandes

Selbst der Saarländische Philologenverband, einst Unterstützer von G8, ist inzwischen umgeschwenkt. Globalisierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit seien die großen Herausforderungen für die schulische Bildung der Zukunft, "und wir haben von Anfang an gesagt, dass zusätzliche Ressourcen nötig seien werden, und eine davon ist ein neuntes Lernjahr am Gymnasium", sagt Marcus Hahn, der Vorsitzende des Philologenverbandes.

Die Position der Schüler

Landesschülersprecher Lennart-Elias Seimetz möchte lieber erst über die Inhalte und dann über die Struktur sprechen. Es gehe um die Frage, welche Inhalte bei den Gymnasien verändert werden sollen. Und wenn dafür ein weiteres Schuljahr notwendig sei, dann sollte es das auch geben. Es gehörten aber auch dazu: mehr Lehrkräfte, eine bessere Ausstattung der Schulen, bessere Räumlichkeiten, bessere Infrastruktur.

Das heißt mit anderen Worten: Auch im 20. Jahr von G8 und im zweiten Jahr der Corona- Pandemie mit all ihren Herausforderungen an das Bildungssystem haben es Ministerium und auch und vor allem die Schulträger nicht geschafft, wenigstens die formalen Voraussetzungen zu schaffen, um über G8 und G9 ohne Rücksicht auf die Infrastruktur zu diskutieren.

Neue Herausforderungen - längere Schulzeit?

Mehr Stellen für Lehre und Sozialarbeit sind ein Anfang - aber die vom Philologenverband angesprochen neuen thematischen Herausforderungen sieht auch die Ministerin als Aufgabe - nicht nur für die Frage G8 oder G9, sondern für alle Abschlüsse. Wenn für einen zukunftsfähigen Schulabschluss ein Jahr länger Schule notwendig sei, "dann ist das ein Schritt, über den man diskutieren muss", so Streichert-Clivot.

Denn Schule soll ja keine gestohlene Lebenszeit sein. Diesem Anspruch fühlen sich alle verpflichtet - und das heißt für das Saarland: G 8 steht zur Disposition.


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Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 02.08.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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