Im Nationalpark Hunsrück Hochwald in Nonnweiler (Foto: Horst Kasper)

Fünf Jahre Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Ein Kommentar von Dietmar Schellin

Dietmar Schellin   23.05.2020 | 12:30 Uhr

Vor 28 Jahren haben sich die Staaten Konferenz zum Thema Nachhaltigkeit in Rio versprochen, mehr für die biologische Vielfalt zu tun. Der Mini-Nationalpark Hunsrück-Hochwald ist ein Beitrag von Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Vor fünf Jahren wurde er eröffnet. Dietmar Schellin geht dort ab und zu wandern.

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Kommentar: Fünf Jahre Nationalpark Hunsrück-Hochwald
[SR 3, Dietmar Schellin, 23.05.2020, Länge: 03:01 Min.]
Kommentar: Fünf Jahre Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Will man mitten rein in den Nationalpark, etwa nach Börfink, fährt man gut einen Kilometer an einer gerodeten, ja verwüsteten Fläche entlang. Grau-silberne Baumstümpfe kreuz und quer, soweit das Auge reicht. Sieht so ein Nationalpark aus? Geht man dann die Börfinker Ochsentour, staunt man nicht schlecht: viel Totholz voller Leben. Erst ziehen Käfer und Pilze in einstigen Baumriesen ein, dann Vögel, und fressen die Käfer auf. Die Natur Natur sein lassen lauten Auftrag und Anspruch an den Nationalpark Hunsrück-Hochwald.

Renaturierung

Der Hunsrück wurde nicht zum Nationalpark, weil er so natürlich wäre: im Gegenteil. Über die letzten 250 Jahre wurde der Hunsrück entwässert und mit Fichten bestockt. Es brauchte zwei Monsterstürme wie Wiebke und Vivian, Anfang der 90er Jahre, um zu begreifen: der Mensch ist das Problem. Der Mensch pflanzte Fichte, und hat den Boden entwässert. Schluss mit Fichte. Heute stehen mächtige graue tote Fichten im Wald. Bis sie umfallen, Feuchtigkeit speichern und Kleinstlebewesen ernähren.

Die Nationalpark-Verantwortlichen greifen möglichst wenig ein. "Natur Natur sein lassen" eben. Sie greifen nur ein, wo es sein muss, verfüllen Gräben, damit das Wasser langsam neue Moore bildet. Der Nationalpark ist "Natur in der Zukunft". Nach fünf Jahren ist das Projekt nicht schön, aber auf dem richtigen Weg.

Wildbestand

Apropos Wege: Sechs Traumschleifen streifen den Nationalpark. Aber noch durchziehen ihn 300 km Wege. Viel zu viel für die Natur. Ein Drittel davon wird zurückgebaut. Gut so. Aber wer kriegt das mit? Erstmal das Wild. Zu viele Rehe und Hirsche erfreuen sich an keimenden Bäumchen. Wildschweine sind begeistert. Pennen im Nationalpark, und fressen auf Weiden und Gärten rundum? Damit das nicht passiert, werden die Tiere "reguliert", also geschossen. Für die Wildschweine veranstaltet der Nationalpark Treibjagden. Ranger und Förster werden zu Treibern. Das scheint ihnen hoch peinlich zu sein. Presse wird nicht zugelassen. Geheime Gesellschaftsjagd, wie zu Fürsten-Zeiten.

Tourismus

Touristisch sind Nationalpark und Umland wenig erschlossen. Eine Touchscreen-Ausstellung im Hunsrückhaus. Geführte Wanderungen werden angeboten. Aber selbst an einem sonnigen Maitag ist man stundenlang unterwegs und trifft keine zehn Wanderer. Diese Woche wurde die "Nationalpark-App" vorgestellt: nur leider hat man auf Tour null Empfang. Da war ein Fördertopf, und jetzt gibt es halt die App. Fünf Jahre nach dem Auftakt würden Touristen sich über ein Tor zum Nationalpark freuen. Sowas mit Klo und Kiosk. Ist seit langem geplant. Veranschlagt mit 4,5 Millionen Euro. Noch ist kein Spatenstich erfolgt, kostet das Tor das Doppelte.

Naturschutzfachlich mag das Projekt richtig angepackt sein. Aber die Öffentlichkeit mitzunehmen, ist kaum mehr als ein frommes Versprechen.

Ein Thema in der "Region am Mittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 23.05.2020.

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