Häusliche Pflege (Foto: dpa)

"Das Urteil ist schlichtweg eine Katastrophe"

Interview: Peter Springborn, Sozialverband VdK

Interview: Dorothee Scharner   25.06.2021 | 13:00 Uhr

Pflegekräfte in der häuslichen Pflege müssen auch in Bereitschaftszeiten den Mindestlohn bekommen - das hat das Bundesarbeitsgericht am 24. Juni entschieden. Und das gilt auch für Pflegekräfte aus dem Ausland. Für die Praxis hat dies weitreichende Folgen. Dazu im SR-Interview: Peter Springborn vom Sozialverband VdK.

Oft sind es osteuropäische Pflegekräfte, die die Familien bei der häuslichen Pflege unterstützen. Und sie stehen häufig rund um die Uhr auf Abruf bereit.

"Wir müssen Regelungen für einen vernünftigen Ausgleich finden"
Audio [SR 3, Interview: Dorothee Scharner, 25.06.2021, Länge: 04:18 Min.]
"Wir müssen Regelungen für einen vernünftigen Ausgleich finden"
Peter Springborn vom Sozialverband VdK im SR-Interview.

Nach dem Urteil des Bundesarbeitsgerichtes müssen die Familien künftig für diese Bereitschaft auch bezahlen - also Mindestlohn für 24 Stunden.

Dieses Urteil sei für die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen "schlichtweg eine Katastrophe", sagt Peter Springborn vom Sozialverband VdK. Es werde dazu führen, dass Pflege entweder unbezahlbar werde, oder dass es mehr Illegalität in diesem Bereich geben werde. Und das führe sicherlich nicht zu einer Verbesserung der Arbeitssituation der Pflegekräfte, so Springborn.

Es muss ein vernünftiger Ausgleich gefunden werden

Dass auch die ausländischen Pflegekräfte eine angemesse Bezahlung bekommen sollten, sei keine Frage, sagt Springborn. Das Problem sei vielmehr, dass es bisher keine richtigen Konzepte für die Pflege in der Familie gebe, obwohl das Problem lange bekannt ist.

"Wir müssen Regelungen finden, die einen vernünftigen Ausgleich finden zwischen einer anständigen Bezahlung und vernünftigen Arbeitsbedingungen auf der einen Seite, die aber auch die Realität auf der anderen Seite sehen." Als Beispiel führt er die SOS-Kinderdörfer an. Dort gebe es entsprechende Sonderregelungen. Das Arbeitszeitrecht gelte dort nicht so wie beispielsweise in der Industrie, "weil man weiß, dass bestimmte Dinge dort sonst überhaupt nicht zu regeln sind."

Springborn sieht hier den Gesetzgeber in der Pflicht, einen vernüftigen Ausgleich zu schaffen.


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Wir steuern bei der Pflege von Angehörigen in eine Katastrophe – so krass beurteilen viele Institutionen das Urteil des Bundesarbeitsgerichts, dass ausländische Pflegekräfte auch für die Bereitschaftszeit voll bezahlt werden müssen. SR- Reporterin Renate Wanninger hat mit einem Betroffenen gesprochen.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 25.06.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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