Eine Schülerin sitzt im Klassenzimmer in ihrem Rollstuhl. (Foto: Bernd Wüstneck/ZB/dpa)

Freizeit-Gestaltung für Kinder mit Einschränkungen

Sarah Sassou   19.07.2022 | 12:57 Uhr

Schule zu und gar keine Betreuung – für viele Eltern wäre das eine Katastrophe. Für Eltern von Kindern mit Behinderung ist das Realität. Die Lebenshilfe Fischbachtal/Sulzbachtal will das ändern. Kinder mit Einschränkungen sollen nach der Schule die Möglichkeit bekommen, das zu machen, was ihnen Spaß macht – im Musikverein, in der Tanzschule oder eben in der Nachmittagsbetreuung ihrer Schule.

„Kür statt Pflicht“ heißt das Projekt der Lebenshilfe. Kinder und Jugendliche mit Behinderung sollen hier die Möglichkeit bekommen, in ihrer Freizeit ihre Lieblingshobbies auszuüben.

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Freizeit-Unterstützung für Kinder mit Einschränkungen
Audio [SR 3, Sarah Sassou (c) SR, 19.07.2022, Länge: 03:00 Min.]
Freizeit-Unterstützung für Kinder mit Einschränkungen

Alex steht in seinem Klassensaal der Förderschule Winterbachsroth in Dudweiler vor seinen Mitschülern und der Lehrerin und präsentiert einen seiner Rapsongs. Alex ist körperlich und geistig eingeschränkt. Er wäre sehr gerne in einem Musikverein. Musik machen, das ist seine Leidenschaft. Der geht der 16-Jährige aber alleine zuhause nach.

Bedürfnisse entdecken

Aber muss das sein? Nein, meint Birgit Quien. Sie engagiert sich im Projekt "Kür statt Pflicht" dafür, dass Kinder und Jugendliche mit Behinderung in ihrer Freizeit das machen können, worauf sie Lust haben. Gemeinsam wird erst einmal geklärt, was das denn sein könnte und wo die Interessen liegen. Jeder der Schülerinnen und Schüler soll zu Wort kommen, soweit das eben möglich ist. Für diejenigen, die nicht so gut sprechen können, gibt es ein Tablet mit Symbolbildern für Freizeitaktivitäten, wie Schwimmen, Musizieren oder Malen.

Beratungen zum Projekt "Kür statt Pflicht" der Lebenshilfe (Foto: SR)

Lilly ist fast 16 und liebt tanzen. Bisher macht auch sie das meist allein zuhause. Sie und ihre Mutter haben nicht gewusst, in welchem Tanzkurs Lily mit ihrer geistigen Behinderung mitmachen könnte.

Kontakte zu Vereinen herstellen

Aber jetzt haben sie den Kontakt zu einer Tanzschule bekommen und konnten schon ein Probetraining nach den Ferien verabreden, freut sich Lily. Mit Praktikantin Veronika am Klavier singt sie das Pipi-Langstrumpf-Lied. Für die Romanfigur gibt es keine Grenzen, wenn es um die eigenen Talente und Vorlieben angeht. Und für Kinder mit Behinderung sollte es die auch nicht geben, da ist man sich in der Schule in Dudweiler einig.

Helfen würde da schon, dass die Freizeitangebote im Regionalverband, die auch für Kinder und Jugendliche mit Behinderung geeignet sind, künftig auch entsprechend gekennzeichnet sind.

Es fehlt oft die Infrastruktur und das Know How

Vereine sind oft nicht darauf vorbereitet, dass behinderte Kinder andere Bedürfnisse haben als nicht behinderte Kinder. Seien es rollstuhlgerechte Zugänge oder eine andere Art der Wissensvermittlung, sagt Günter Hoff. Er ist der Leiter der Dudweiler Förderschule. In den Förderschulklassen haben viele Schüler Hilfe von Integrations- und Assistenzkräfte. Die bräuchten sie dann auch, wenn sie einem Hobby nachgehen, sagt er.

Bei der Nachmittagsbetreuung oder auch in den Vereinen. Aber das sei ist kostspielig. Er wünsche sich, dass die betroffenen Kinder und Jugendliche mehr Aufmerksamkeit, mehr Gehör bekommen, das Gefühl "ich bin auch wichtig."

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 19.07.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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