Tagebuch (Foto: SR)

Familiengeheimnisse aufbrechen

Reporterin Lisa Krauser/ Onlinefassung: Rebecca Lambert   18.03.2023 | 07:00 Uhr

Mit einander sprechen ist wichtig. Aber in auch Familien, in denen viel einander erzählt wird, werden oft Geheimnisse gehütet. Soziologin Iris Wachsmuth möchte Mut machen, mehr miteinander zu sprechen und Familiengeheimnisse zu Lebzeiten ans Licht zu bringen. Denn sie betreffen oft nicht nur die eigene Generation, sondern auch die der Nachkommen.

Ein geliebter Mensch geht. Das ist traurig. Und beim Durchsehen der Sachen findet man einen alten Brief oder ein Tagebuch und plötzlich tauchen Fragen auf. Fragen, auf die man keine Antworten mehr bekommt. Wie kann man verhindern, dass nach dem Tod mehr Fragen entstehen als davor? Indem man das Gespräch sucht.

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Erzähl doch mal
Audio [SR 3, Lisa Krauser, 17.03.2023, Länge: 03:49 Min.]
Erzähl doch mal

Auch wenn in vielen Familien viel erzählt wird, werden manche Themen systematisch ausgeklammert. Es gebe eine Kultur des Verschweigens, sagt Soziologin Iris Wachsmuth.

Das Verschweigen hänge oft mit Scham-und Schuldgefühlen zusammen. Aber es gebe Wege, ein solches Gespräch schon zu Lebzeiten zu führen. Wie man das angehe, hänge sehr vom Menschen ab, sagt Wachsmuth.

Ich-Botschaften und aktives Zuhören

Wenn man mehr über ein Familiengeheimnis wissen will, sollte man jedoch einige Spielregeln beachten. Wichtig sei besonders, den Menschen nicht zu bedrängen, denn oft fühle der oder sich angegriffen oder glaube, Vorwürfe gemacht zu bekommen, sagt Wachsmuth. Deshalb sei es besser, Ich-Botschaften zu formulieren. Außerdem müsse man aktiv zuhören, den Menschen nicht ins Wort fallen und auf Mimik und Gestik achten.

Die Verantwortung der Geheimnishüter

Und den Geheimnishütern rät die Soziologin: Auch wenn es schwer falle, über ein Familiengeheimnis zu reden, sollte man das Gespräch suchen. Alles, was nicht gesagt werde, alles was verdrängt werde, könne nicht nur das eigene Leben beeinflussen, sondern auch das der Nachkommen. Mitunter könnten Erkenntnisse aus der Familiengeschichte helfen, eigene Probleme besser zu verstehen. Dazu zähle alles, was die Familie betreffe - auch Suchtprobleme, Selbstmorde oder Adoptionen.

Da die Geheimnisse oft mit Schuld und Scham verbunden seinen, könne das Reden darüber mitunter sehr emotional werden. Doch das sei im Grunde positiv, sagt Wachsmuth. Wenn die Gefühle aufbrechen, könne das möglicherweise sogar einen Heilungsprozess in Gang setzen.

Ein Beitrag aus der Sendung "Guten Morgen" am 18.03.2023 auf SR 3 Saarlandwelle

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