Röntgenaufnahme der Lunge eines Corona-Patienten (Foto: dpa/picture alliance/Sebastian Gollnow)

Corona Langzeitfolgen - erste Erfahrungen im UKS

mit Informationen von Diemtar Schellin   18.11.2020 | 13:57 Uhr

Viele Patienten, die an Corona erkrankt waren, leiden an Spätfolgen. Wirklich genesen fühlen sich manche auch lange nach der Infektion noch nicht. Besonders nach schweren Verläufen ist der Genesungsweg lange und anstrengend. Ein Fallbeispiel.

Jean, ein Corona-Patient aus St. Avold, war im Frühjahr an Corona erkrankt und wegen fehlender Intensivbetten in seiner Heimat ins Uniklinikum Homburg verlegt worden. Nach acht anstrengenden Monaten hat Jean das Coronavirus immerhin überlebt. Zu den "Genesenen" kann er sich nicht wirklich zählen.

Dem Tode nah

Mit 59 kam das Virus über den sportlich aktiven Mann. Er fährt leidenschaftlich Rad. „Ich habe 30 Kilo verloren, ich bin hin hier auf die Notfallstation gekommen, lag zwei Monate im Koma. Davon weiß ich nichts mehr. Meine Frau hat es aufgeschrieben. Den Lungenflügel habe ich verloren. War immer sportlich – das war mein Glück, sonst wäre ich nicht mehr da. Ich habe mich zweimal fortgehen gesehen. Ich hatte Angst einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen. Das ist schrecklich.“

Langzeitfolgen von Corona - ein Fallbeispiel
Audio [SR 3, Dietmar Schellin, 18.11.2020, Länge: 03:07 Min.]
Langzeitfolgen von Corona - ein Fallbeispiel

Die Ärzte und Pfleger in Deutschland hätten sein Leben gerettet, sagt Jean. Bereits die französischen Ärzte hatten ihn erst in ein Künstliches Koma versetzt und intubiert. Dann ging es von Stunde zu Stunde schlechter. Aber die französischen Intensivbetten waren alle belegt. Das Leben des zuvor kerngesunden Sportlers war akut bedroht. In Homburg lag er dann zwei Monate im künstlichen Koma. Danach war nichts mehr wie zuvor: „Ich musste wieder lernen zu essen, lernen auf Toilette zu gehen, wie ein kleines Kind“, so Jean.

"Folgeschäden, die wir so noch nicht gesehen haben."

Professor Philipp Lepper ist Lungenspezialist und Oberarzt auf der Intensivstation in Homburg. Im Januar galt Corona noch als Infektion der Atemwege. Inzwischen weiß man mehr. Das Virus greift die Lunge an, das Herz, die Niere, das Gehirn und die Innenwände der Blutgefässe. "Es ist eine Krankheit, die Folgeschäden produziert, die wir so noch nicht gesehen haben. Mit den Folgeschäden haben Betroffene lange zu tun. Erkrankte berichten auch Monate später, dass es ihnen nicht so geht wie vor der Erkrankung“, sagt Lepper.

Noch lassen sich die Langzeitfolgen schwer abschätzen. Das ist ein offenes Arbeitsfeld. In den Statistiken ist oft von "Genesenen" die Rede. Jean zählt sich nicht dazu. Noch kämpft er mit den Folgen des langen Liegens. An die Adresse der Corona-Leugner sagt sein Arzt: „Die müssten das mal sehen. Die offenen Wunden. Die Lunge, zu vier Fünftel kaputt, vernarbt. Die Ärzte und Pflegepflegepersonal im Dauereinsatz.“ Ohne diesen Einsatz wären bis zu zehnmal mehr Tote zu beklagen, vermutet Lepper und mahnt, die Spätfolgen mitzudenken. Jean jedenfalls wird wohl nicht mehr arbeiten können, so sein Arzt.


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nde' eingerichtet.

Auch ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" vom 18.11.2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

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