Der Faasendbrauch

Faasend - der Brauch und die Besonderheiten

Eva Lippold   25.02.2019 | 11:00 Uhr

Die närrische Zeit hat eine lange Geschichte, doch woher kommt eigentlich der Brauch? Und was sind die Besonderheiten an der saarländischen Faasend? SR-Reporterin Eva Lippold hat sich auf Spurensuche begeben.

In der Zeit der Narren war alles verkehrt herum – nicht nur die "Jubbe vom Vadda". Kein Zufall also, dass die Fastnacht am 11.11. beginnt – die Elf steht symbolisch für die Übertretung der zehn Gebote. Und dabei ist die Fastnacht eng mit der Kirche verstrickt – und wird fast nur in katholischen Regionen gefeiert. Denn - wie der Name schon sagt – Faasend, Fastnacht – hängt eng mit der Fastenzeit zusammen. Deshalb ließen die Menschen es eben vorher noch einmal richtig krachen.

Obwohl die Fastnacht eng mit dem Katholizismus und der Fastenzeit zusammenhängt, sah die Kirche das Treiben der Fasebooze nicht immer gern. Noch in den 50er Jahren durften Kinder, die zur Kommunion gingen, keine Fastnacht feiern und sich auch nicht verkleiden.

Im Großen und Ganzen wurden die Bräuche jedoch von der Kirche geduldet - vorausgesetzt natürlich, dass am Aschermittwoch alles vorbei ist. Dafür wurde die Fastnacht am Faschingsdienstag begraben. Und zu Sicherheit gab es auch noch das Ritual, am Aschermittwoch den Geldbeutel auszuwaschen.


Faasend im Saarland


Faasend - typisch saarländisch
Audio [SR 3, Eva Lippold, 25.02.2019, Länge: 02:58 Min.]
Faasend - typisch saarländisch

Nach dem Vorbild der Kölner Karnevalsvereine wurden im 19. Jahrhundert auch im Saarland die ersten Faasend-Vereine gegründet. Heute sind über 30.000 Saarländer Mitglied – und es gibt sehr typische regionale Besonderheiten.

Alleh hopp

Die närrischen Tage, sie beginnen mit dem "schmotzigen Donnerschdag", also dem fetten Donnerstag, und enden mit dem Aschermittwoch. Und während man im Rheinland "Helau" und Allaaf ruft, rufen die Narren im Saarland „Alleh Hopp“. Die Erklärung liefert der Homburger Heimatforscher und Mundartexperte Klaus Friedrich: Es sei vermutlich ein ehemaliges keltisches Reiterkommando zum Aufsteigen und Losreiten gewesen "Alleh hopp uf die Perde, mir reide jetzt los".

Faasend - nur wegen dem Spaß?

Vielleicht ist die saarländische Faasend nicht so politisch, wie in den rheinischen Hochburgen, aber frech sei sie auch, sagt Josef Ollinger. "Die kleine Politik werde schon verarscht". Ollinger hat das Brauchtum an der Saar erforscht – vom Mittelalter bis heute. Die saarländische Faasend sei urtümlicher als der Karneval in Köln oder die Mainzer Fastnacht, wobei Bräuche wie zum Beispiel das Prinzenpaar aus den rheinischen Hochburgen ins Saarland geschwappt seien.

Faasekichelcher

Kappes, Klöße, Kokosmilch
Faasekichelcher
SR3-Reporter Christian Ignatzi hat mit den Paar-Landfrauen Gabi Andes und Maria Berger einen Vormittag lang Faasekichelcher gebacken. Das ist leichter, als es klingt – und schmeckt selbstgebacken lecker. Es gibt nur ein paar wichtige Schritte zu beachten. Das Rezept gibt es hier zum Nachlesen und Nachbacken.

"Hauptsach gudd gess" - das gilt im Saarland natürlich auch in der Faasendzeit. Und süße Köstlichkeiten haben schon immer eine wichtige Rolle gespielt - vor allem für die Kinder. Früher wie heute zieht der Nachwuchs verkleidet von Haus zu Haus und es gibt süße Leckereien. Heute sind die Kinder gerne als Darth Vader oder Eisprinzessin unterwegs, zur Zeit von Josef Ollinger waren sie als "Uma Süß und de Pedda Kles“ - also Oma Suse und Opa Klaus - auf Hautürtour, um "Meisjer" einzusammeln - süße, in Schmalz ausgebackene Krapfen. Dafür zogen sich die Jungs einfach "de Jubbe vom Vadda" falschherum an, die Mädchen bekamen eine alte Gardine umgebunden.

Über dieses Thema wurde auch in den "Bunten Funkminuten" am 25.02.2019 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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