Kirche und Karneval (Foto: dpa/Karl-Josef_Hildenbrand)

Kirche und Faasend - wie geht das zusammen?

Oliver Buchholz   18.02.2020 | 12:45 Uhr

Faasend in der Kirche. Das gibt es immer öfter, nicht nur in den Karnevalhochburgen wie Köln, sondern auch hier bei uns im Saarland. Einer, der Faasend und Kirche in sich vereint ist Harald Winter: In vier Jahreszeiten katholischer Pfarrer in Quierschied, in der fünften Jahreszeit zusätzlich Karnevalist mit Leib und Seele in Lebach.

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Kirche und Faasend - wie geht das zusammen?
Audio [SR 3, Oliver Buchholz, 18.02.2020, Länge: 03:02 Min.]
Kirche und Faasend - wie geht das zusammen?

"Grundlage meines priesterlichen Tuns ist die Verkündigung des Lebens - und das mache ich auch im Karneval", sagt Pfarrer Harald Winter. Und dazu gehörte für ihn auch das Politische.

Beeten statt Feiern

Das hat man nicht immer so gesehen. Im späten Mittelalter hat die Kirche mit allen Mitteln versucht, den Karneval zu verbieten. Ab dem 17. Jahrhundert habe es an Fastnacht das 40-Stunden-Gebet gegeben, bei dem vorweg für Fehler Buße getan wurde, so Pfarrer Winter. Und das hatte den Nebeneffekt: "Die Leute, die zur Betstunde mussten, konnten nicht auf die Faasend gehen."

Faasend und Fasten

Dabei wäre Faasend ohne Kirche gar nicht denkbar. Schon das Wort „Karneval“ kommt aus dem Lateinischen „carne levare“: Fleisch wegnehmen. Die Fastenzeit, die Aschermittwoch startet, war ursprünglich eine fleischlose Zeit. Die Idee war also: Noch einmal richtig Feiern, bevor es in die 40-tägige Fastenzeit geht.

Und auch die karnevalistische Zahl 11 kann theologisch verstanden werden: Sie bildet die Mitte zwischen der 10, die wir aus den Zehn Geboten kennen und den 12 Jüngern Jesu. Die 11 ist mithin die Zahl der Sünde und des Profanen.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 18.02.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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