Stillgelegter Förderturm der Grube König (Foto: picture-alliance / dpa | Werner Baum)

"Methangas kommt überall dort durch, wo kein Deckel drauf ist"

Dorothee Scharner / Tobias Rudolph   25.07.2022 | 16:53 Uhr

Die Bewohner eines Seniorenheims mussten am 24. Juli, evakuiert werden. Der Grund dafür: ein Methangasaustritt. Aber wie kommt es, dass in ehemaligen Bergbaugebieten das Gas erhöht austritt? Im Interview mit dem SR erklärt Professor Dr. Tobias Rudolph vom Forschungszentrum Nachbergbau der Technischen Hochschule Georg Agricola in Bochum, wieso erhöhte Methanwerte gemessen wurden.

Methangas sei immer an die Kohle gebunden, sagt Professor Tobias Rudolph vom Forschungszentrum Nachbergbau an der Technischen Hochschule Georg Agricola, in Bochum, im Gespräch mit dem SR. Es trete in den meisten Kohlelagerstätten auf der Welt auf. Und es könne überall dort zu Tage treten, wo kein Deckel drauf sei. Also wegen des durchlässigen Gesteins und zum anderen gebe es keine abdeckende Schicht.

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"Methangas kommt überall dort durch, wo kein Deckel drauf ist"
Audio [SR 3, Dorothee Scharner / Tobias Rudolph, 25.07.2022, Länge: 03:03 Min.]
"Methangas kommt überall dort durch, wo kein Deckel drauf ist"

Bergbau und Methangas

Es seien vor allem die Stellen im Saarland betroffen, wo das Karbon und die Kohleflöze tagesnah sind. Dadurch seien die Methanaustritte sehr lokal begrenzt. Rudolph verweist auf geologische Karten, um die Bereiche nachzuschauen, in denen die Kohleflöze tagesnah sind. Es handele sich um einen natürlichen Vorgang, der auch schon lange im Saarland bekannt sei. Methangasaustritte finde man vor allem in den Gebieten von Altbergbau, der in einer Tiefe bis zu 30 Metern stattgefunden hat. Das bedeutet aber auch, dass die Punkte, an denen das Gas an die Tagesoberfläche tritt, weitestgehend bekannt sind.

Was man dagegen tun kann

Zum einen empfiehlt Rudolph regelmäßige Methangasmessungen. Bei Neubauten brauche es Hinweise über bereits aufgetretene Methangasaustritte. Außerdem könnte Gas per Unterdruck abgesaugt werden. Da Methan aber auch leichter sei als Luft, gebe es viele passive Absaugungen, bei denen das Gas in Drainagen gefangen und über einen Kamin zum Dach abgeleitet werden könne.

Eine Folge des Sommerwetters?

Diese Fälle sind Einzelfälle, so Rudolph. Er sieht es nicht im Zusammenhang mit der aktuellen Hitze. Jedoch müssten Experten und Expertinnen sich die äußeren Umstände anschauen, um ein generelles Urteil zu fällen.

Ein Thema in der Sendung "Region am Nachmittag" am 25.07.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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