Eine leere Bühne in einem Theater (Foto: picture alliance / Hans Ringhofer / picturedesk.com | Hans Ringhofer)

Überlebenskampf der kleinen Theater

Mit Informationen von Daniel Novickij   24.06.2022 | 10:50 Uhr

Musik, Party und feiernde Menschenmassen. Es ist Sommer. Viele Menschen treffen sich auf Festen und Festivals. Nach der Zeit der Coronabeschränkungen schwingt da wieder Hoffnung auf Normalität mit. Doch nicht alle Veranstalter im Saarland spüren diesen Besucher-Andrang. Insbesondere bei den kleinen, privaten Theatern und Theatervereinen sieht es im Moment düster aus.

Für ein Theaterensemble gibt es am Ende der Aufführung nichts Schöneres, als den anerkennenden und tosenden Applaus des Publikums. Doch der fällt zur Zeit eher verhalten aus.

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Der Überlebenskampf der kleinen Theater
Audio [SR 3, Daniel Novickij (c) SR, 24.06.2022, Länge: 02:51 Min.]
Der Überlebenskampf der kleinen Theater

Im Moment bleiben viele Sitzplätze in den kleinen Theatern im Saarland leer. Und das, obwohl die meisten Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus aktuell gelockert sind.

Kleine Theater bleiben auf Kosten sitzen

Daniel Oder-Kriewald betreibt seit rund zwei Jahren das "Wilde Theater" in Saarbrücken. Nicht nur in seinem Haus gebe es schwindende Besucherzahlen, sagt er: "Wir hatten kürzlich eine Vorstellung einer größeren Musicalproduktion, die lief in Völklingen im Kulturhaus. Wir hatten mit 200 Leuten pro Vorstellung geplant, und hatten aber keine Vorstellung mehr als 120 Leuten." Das seien auch die Rückmeldungen, die er von Freunden und anderen Theaterschaffenden bekomme, dass man aktuell im Theater mit nur 50-Prozent Auslastung rechnen könne.

Das fehlende Publikum bereitet Daniel Oder-Kriewald zunehmend Sorgen. Wichtige Einnahmen bleiben aus, sagt er: "Wir bleiben aktuell auf der Hälfte der Produktionskosten sitzen. Bei der aktuellen Produktion sind wir auf knapp 4000 Euro hängen geblieben." Tendenz steigend. Wann der Theatersaal wieder ausverkauft ist, kann Oder-Kriewald derzeit nicht einschätzen. Und eine mögliche neue Corona-Welle im Herbst dürfte die Lage nicht verbessern.

Zurückhaltenes Programm auch auf dem Theaterschiff in Saarbrücken

Theaterschiff Maria-Helena (Foto: SR)

Die fehlende Perspektive beschäftigt auch Theater-Macher Frank Lion. Sein Theaterschiff Maria-Helena liegt seit rund 15 Jahren am Saar-Ufer. Wie viele Veranstaltungen im Herbst anlaufen werden, weiß er noch nicht: "Wir beginnen Ende September relativ zurückhaltend. Wir haben paar Konzerte, Theater und ein Gastspiel und ein eigene Produktion. Aber wir gehen mit der Planung nicht so in die Vollen", sagt er. Deshalb sei aktuelle auch keine eigene größere Produktion geplant. "Eine eigene Produktion zu planen und sie dann wegen Corona absagen zu müssen, wenn man monatelang geprobt hat, ist halt schwierig."

Auch Theatervereine haben Sorgen

Theaterverein „die Maulwürfe“ (Foto: SR)

Aber nicht nur Theater, sondern auch Theatervereine im Saarland leiden unter der aktuellen Situation – so auch der Theaterverein „Die Maulwürfe“ in Wadgassen. Noch sieht die finanzielle Lage hier gut aus. Allerdings ist das traditionelle Weihnachtsmärchen, das jährlich für Kinder in der Abtei des Deutschen Zeitungsmuseums in Wadgassen mehrfach aufgeführt wird, in Gefahr und könnte wegen Corona erneut ausfallen.

Der zweite Vorsitzende des Vereins, Patric Seiler, beklagt die Planungsunsicherheit. Die befürchtete Corona-Herbstwelle könne dazu führen, dass Aufführungen komplett ausfallen müssten oder auch der Saal leer bliebe, sagt er. Dann werde es wirklich schwierig.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 24.06.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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