Kita (Foto: SR)

"Wir arbeiten, als gäb's keine Pandemie und keinen Lockdown"

Erzieherinnen fühlen sich im Stich gelassen

Lisa Krauser   21.01.2021 | 13:00 Uhr

SR-Reporterin Lisa Krauser hat die Leiterin der städtischen Kita Saarbrücken-Dudweiler getroffen, die sagt: die Stimmung unter den Erziehern sei schlecht. Als Erzieher gehöre man zu den wenigen Berufsgruppen, die ungeschützten Kontakt zu vielen Menschen haben.

Audio

Erzieherin: "Wir arbeiten als gäb's keine Pandemie und keinen Lockdown"
Audio [SR 3, Lisa Krauser, 21.01.2021, Länge: 03:09 Min.]
Erzieherin: "Wir arbeiten als gäb's keine Pandemie und keinen Lockdown"

Der Lockdown wurde bis Mitte Februar verlängert. In den Kindergärten und Krippen aber läuft der Betrieb weiter - und zwar im sogenannten "eingeschränkten Regelbetrieb". Den Eltern wird empfohlen, ihre Kinder daheim zu lassen. Anders als im Frühjahr ist derzeit auch nicht klar geregelt, wer seine Kinder in die Betreuung bringen darf und wer nicht. Viele Erzieherinnen und Erzieher fühlen sich von den Verantwortlichen im Stich gelassen.

Sabine Lang liebt ihren Job. Seit 40 Jahren ist sie jetzt schon mit Herzblut Erzieherin. Sie leitet mittlerweile die städtischen Kita Saarbrücken-Dudweiler. Zum ersten Mal in ihrer beruflichen Laufbahn ist sie jetzt an dem Punkt, an dem sie sagt: Es reicht! Sabine Lang und ihre Kolleginnen und Kollegen können nicht verstehen, was gerade passiert: Deutschland ist im Lockdown. Aber die Kitas sind weiter offen.

Erzieherinnen können oft keine Maske tragen

Als Erzieherin kann sie sich nicht vor Ansteckung schützen: Ein weindendes Kind will nun mal in den Arm genommen werden. Auch dauerhaft Maske tragen geht nicht. "Wir betreuen kleine Kinder, mitunter auch Kinder mit Handicap, die darauf angewiesen sind, unsere Mimik, unser Gesicht zu sehen. Und die Kinder, die können auch keine Maske tragen. Somit sind wir eine der ganz wenigen Berufsgruppen, die wirklich ungeschützten Kontakt zu vielen Menschen aus vielen Haushalten haben. Und das will einfach nicht gesehen werden", sagt sie.

Täglich Kontakt zu Menschen aus vielen Haushalten

In ihrer Kita sei die Auslastung derzeit bei 20 Prozent, aber woanders sei sie deutlich höher, sagt Lang. Und sie rechnet damit, dass demnächst auch wieder mehr Eltern ihre Kinder in die Kita schicken. Dass nicht geregelt ist, welche Kinder kommen dürfen und welche nicht, findet sie absurd: "Wenn alle Kinder da wären, wären wir am Tag mit 70 Haushalten unter einem Dach. Und hier zu Hause dürfen mich meine erwachsenen Kinder nicht mit ihren Partnern besuchen kommen."

Im November hatte sich Sabine Lang mit Corona angesteckt. Sie ist sich sicher, dass das in der Kita passiert ist. In ihrem privaten Umfeld war niemand positiv. Und sonst habe sie keine Kontakte. Das Einkaufen übernehme immer ihr Mann. Dass es immer wieder in Studien heißt, Kitas seien keine Infektionsherde, will Sabine Lang deshalb nicht so recht glauben.


Mehr zum Thema


Kita-Auslastung
Kindergärten zu rund einem Drittel ausgelastet
Beim größten saarländischen Kita-Träger, der Kita gGmbH sind die Kindergärten derzeit zu rund 36 Prozent ausgelastet. In den Krippen ist die Nachfrage noch deutlich höher. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert vor der heutigen Bund-Länder-Konferenz, dass es nach wie vor zu viele Kinder in den Kitas gebe.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 21.01.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja